Boring Days

August 28, 2007

Die Welt da draussen, ausserhalb unseres Ichs, einfach mal Welt sein lassen können, sich in den eigenen Hirnwindungen bewegen, umherirren im Geist, ohne Sinn und ohne Zweck und viel wichtiger: ohne Ziel. Denn mit der Ziellosigkeit kommt das Vergessen, nicht nur der Welt, an der wir uns für einen Moment nicht mehr beteiligen müssen, sondern auch der kleinen Dinge: man gewöhnt sich daran und beginnt die Fernbedienung als erstes im Kühlschrank zu suchen, wenn sie nicht mehr auffindbar ist. Oder man gibt sich mit einem leichten Achselzucken und einem Grinsen auf den Stockzähnen damit zufrieden, dass sie im nächsten Moment wieder direkt vor den Augen liegen wird. Und man hört auf, sich zu fragen, wie solche Dinge geschehen, indem man sie einfach nur als gegeben annimmt und damit umzugehen lernt.

Irgendwann stellt sich das Lachen ein: das Lachen über sich selbst, der fröhliche Spott angesichts der eigenen Beschränktheit. Und das liebevolle Lächeln über die Welt, die genauso ein Teil des eigenen Selbst ist wie das eigene Selbst ein Teil der Welt ist, untrennbar, unabgrenzbar, und genausowenig ganz ernst zu nehmen. Freue Dich auf die langweiligen Tage, wenn alles seinen Gang geht und tingueliyesk ineinander greift, mechanisch, automatisch und ebenfalls: ohne Sinn und ohne erkennbaren Zweck. Das Glück des Lebens liegt auch im Loslassen der erzwungenen Zielgerichtetheit.


Fels in der Brandung

August 15, 2007

Grenzstein, Mittler, Mittel zwischen Festem und Flüssigem, Macht und Ohnmacht, Beherrschung und Verlorenheit. Von der einen Seite reizvoller Blick in schäumende Abgründe voll Gischt und Chaos, Wachturm und Bastion vor dem Ungesehenen, Geahnten, Gefürchteten. Auf ihm steht der Schaulustige, der Gaffer, der, durch die vorgestellte Gefahr angelockt, nach dem Ungeordneten, dem Heillosen trachtet, nach dem Ausweg, wenn auch nur erdacht, aus seiner öden Existenz. Von der anderen Seite ein Versprechen, eine Hoffnung, rettungverheissend und tödliches Urteil zugleich, ewig anziehend wie das Licht für die Motte, und doch verbrennt sie daran nur ihre Flügel und wir zerschmettern unsere Glieder, oder erreichen den Fels und klammern uns fest, unfähig, uns zu bewegen, weder vor noch zurück, und dennoch können wir nicht mehr loslassen: eine Falle in sich selbst.


Liebeserklärung

August 15, 2007

Basel ist keine grosse Stadt. Lebt man hier einige Jahre oder Jahrzehnte, dann kennt man jede Ecke, jeden Ort auswendig, man kann sich im Geist durch die Strassen bewegen und sieht dann sogar die Leute, die gerade in dem Moment wahrscheinlich dort sind. Man kennt die Menschen, man trifft sie da und dort, überall, jederzeit, eine Gemeinschaft von Bekannten, Bekanntem und Gekanntem, und doch, gerade wenn man denkt, man kenne jeden und jede und jedes, tritt wieder ein Wesen auf einen zu, entdeckt man wieder einen Platz, bei dem man sich fragen muss: Weshalb habe ich nie etwas von Dir gewusst?


August 7, 2007

Und immer noch strecken sie die Arme gegen den Himmel und erwarten, dass einer ihnen gibt was sie verdienen, mit den Augen in den Wolken, mit den Gedanken in den Sternen vergessen sie, wo ihre Füsse stehen und können sie nicht mehr bewegen, nicht einmal mehr auf der Stelle können sie treten, denn an ihre Stelle tritt die leere Hülle des unerfüllten Versprechens.

Alles Andere, die wir bezichtigen, alle andern, die wir mit Worten vernichten, ohne zu wissen oder um zu vergessen was die richtigen, die wichtigen, die kleinen Dinge unseres Lebens sind, weil wir vermessen annehmen wir kennen sie genau, diese Anderen, die doch nur sich selbst sind, die doch nur wir selbst sind.


Pferdestärke

August 4, 2007

Und wieder der Rhein: man muss sich mal vorstellen, der Rhein ohne Wasser, als ausgeebneter Kanal mit griffigem Geläuf nach bester Circus Maximus-Manier, ohne allen Schlick und Fahrräder und Gummireifen die da unten jetzt sein mögen, nur weisser feiner Kies, und darauf dreihundert Reihen von jeweils hundert Pferden, alle am selben Geschirr, am selben Strang ziehen sie einen tonnenschweren Kubus aus schwarzem Metall durch den Kanal…

Das ist die Kraft, mit der sich die Rheinfrachter gegen die Strömung des Flusses stemmen, wenn sie aufwärts nach Rheinfelden stampfen, jeden Tag.


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