Liebende

September 20, 2007

und ganz langsam löst er sich aus seinem körper und schwebt hinauf
in die decke des zimmers hinein die nicht mehr da ist durch sie hindurch
durch das dach, hinauf der dicken grauen wolkendecke entgegen
immer weiter hinauf
und er fühlt in sich die liebe dieser welt
erfüllt
warm
umarmend
er breitet seine arme aus und in der wolkendecke öffnet sich ein loch
dahinter die sonne schickt einen strahl direkt in sein gesicht
seine augen werden leuchtendes feuer
immer höher immer schneller weichen die wolken ihm aus
bis keine einzige mehr da ist
und die liebe der welt strömt aus ihm heraus und wärmt die erde
die sonne kommt näher immer näher
und dann verschmilzt er mit ihr

zwei liebende sehen sich tief in die augen und sehen eine ganze welt.


September 9, 2007

In die Seele tauchen
die glitzernde Nacht
mit der Hand greifen
ins Herz tragen
und da behalten
für die Zeit
wo zuhause
wieder schmerzt


Abseits

September 9, 2007

Festival der Kulturen, Karneval der Kulturen, Respektakel, wie sie auch alle heissen… Zusammenkünfte der immer gleichen anderen Stände, Gerüche, Farben, Klänge. Curry, Mah-Mee, Kufta, Tropical Kitchen, Hummus und irgendwo steht auch ein verlassener Wurststand. Überall Musik, Stehaufkünstler, Stelzenläufer, Jongleure, ein buntes Durcheinander aus Talenten, Identitäten, Darstellern, Selbstdarstellern, eine Reizüberflutung der angenehmen Sorte.

Daneben irgendwo, an einer grauen Steinmauer, das neueste Plakat der SVP. Und dann will man sich gar nicht mehr wundern, warum auf diesen Festivals die Schweizer Kultur keinen Stand hat.


Schaffen

September 5, 2007

Der Prozess des Schreibens: Wie ein Nebel dringt die Idee durch jede Ritze, durch jeden noch so kleinen Zwischenraum, drängt sich in die Gedanken, bis sie nicht zu verdrängen ist und der einzige Weg mit ihr umzugehen, die einzige Methode, sie loszuwerden, ist, sie aufzuschreiben. Und so versucht man den Nebel einzukreisen, einzugrenzen, fassbar zu machen, mit jeder Annäherung droht er zu entgleiten, jeder Schreibfehler, den man in der Eile macht, ist eine Gefahr, jede Verzögerung kann zum totalen Verlust des Kartenhauses aus Gedanken führen.

Und dann verdichtet sich der Nebel irgendwann, langsam, mit jedem Wort nimmt eine Gestalt ihre Form an, doch auch jetzt: jeder weitere Buchstabe kann die Grenzen wieder verwischen, kann das Ganze in sich zusammenstürzen lassen. Und am Ende steht plötzlich die Idee da, verschriftlicht, verbildlicht, zerschriftet: denn einmal zu Papier gebracht ist die Idee nicht mehr da, entlassen, weggeschrieben, gefangen, kontrolliert. Der Schriftsteller muss schreiben: um loszuwerden, was ihn sonst auffressen würde.


Zeit/T/Raum

September 2, 2007

Wie ein Reisender zwischen Raum und Zeit, wartend in Räumen ohne Eigenheit, ohne Eigenschaft, ohne Gesicht, zu weit und gleichzeitig so dicht dran ist das ewige Ziel Deiner Reise, das Du einsam teilst mit den vielen die gleich sind, mit allen anderen die genau gleich wie Du etwas anders sind: die Freiheit.

Sie hält Dich fest zwischen Traum und Wirklichkeit, denn von da aus ist es nicht wirklich weit in die Gefangenschaft aus der kein Weg mehr hinausführt, Ketten und Gitter woraus kein Retter noch Ritter noch Krieger nur Du selbst Dich retten kannst.

Und wie ein Freier buhlst Du um die Gunst der Erfahrung, wie ein freier Mann bist Du süchtig nach Nahrung, suhlst Du Dich in der warmen Umarmung, die Dich reinzieht so ganz ohne Ahnung und Warnung, und das Wissen darum ist wie ein Blick zurück in eine ferne, eine flüchtige Erinnerung.

Während der Raum ohne Zeit an Dir vorübergleitet weitet er sich je weiter Du gehst und Du schreitest aus einer Welt hinaus in eine andere Welt hinein: in eine Welt hinaus um nur Dich selber zu sein, um Deiner Zeit voraus zu sein, wenn sie davonrennt, um sie nicht totzuschlagen, wenn sie vorbeigehen soll: den Raum mit der Zeit füllen. Und der Zeit Raum geben.


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