Schaffen

September 5, 2007

Der Prozess des Schreibens: Wie ein Nebel dringt die Idee durch jede Ritze, durch jeden noch so kleinen Zwischenraum, drängt sich in die Gedanken, bis sie nicht zu verdrängen ist und der einzige Weg mit ihr umzugehen, die einzige Methode, sie loszuwerden, ist, sie aufzuschreiben. Und so versucht man den Nebel einzukreisen, einzugrenzen, fassbar zu machen, mit jeder Annäherung droht er zu entgleiten, jeder Schreibfehler, den man in der Eile macht, ist eine Gefahr, jede Verzögerung kann zum totalen Verlust des Kartenhauses aus Gedanken führen.

Und dann verdichtet sich der Nebel irgendwann, langsam, mit jedem Wort nimmt eine Gestalt ihre Form an, doch auch jetzt: jeder weitere Buchstabe kann die Grenzen wieder verwischen, kann das Ganze in sich zusammenstürzen lassen. Und am Ende steht plötzlich die Idee da, verschriftlicht, verbildlicht, zerschriftet: denn einmal zu Papier gebracht ist die Idee nicht mehr da, entlassen, weggeschrieben, gefangen, kontrolliert. Der Schriftsteller muss schreiben: um loszuwerden, was ihn sonst auffressen würde.


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.