Hahnenkampf

November 14, 2008

Auf einem Stück brachen Landes am Rande der Stadt ein Zelt, darunter behelfsmässige Tribünen aus rohen Brettern und Blech, bepackt mit Mexikanern jeden Alters, Archetypen ein jeder für sich selbst, gespannt und aufgeregt, um ein sandiges Rund eingeschlossen von getäfertem Holz, beleuchtet vom kalten Schein fünfer Energiesparlampen, der Lärmpegel ist beinahe unausstehlich, Bier und Tacos und Geschrei und krähendes Federvieh: die Gebrüder Aguirre haben zum Turnier geladen, Torneo de Gallos, Hahnenkampf.

Rot gegen Grün, Hahn gegen Hahn, Klingen an den Füssen, mit angesprühter Coca Cola aggressiv gemacht, ein Flattern, ein Durcheinander aus braunen, roten, weissen Federn, nichts genaues mehr zu erkennen (hinter uns das breite Quäken eines Amerikaners: Go Red, Go Red, Red’s down, Red’s up, oh no, come on, und eigentlich klingt das ein wenig wie Kikeriki, nur nicht ganz so heiser und ein ganz kleines Bisschen artikulierter, aber wer ist denn der Hahn im Zelt?), dann Stillstand: der Sieger sitzt rittlings auf dem getöteten Widersacher, Kehle durch, Fall klar: “Y gano Rojo!”.

 

>> Mehr Lesen


Konsuminferno

November 11, 2008

Eine breite staubige Strasse zwischen vier- und fünfstöckigen gelben und orangen Häusern im nachempfundenen Kolonialstil, im Stau stehende Ungeduldige ohne Partikelfilter und mit lauten Hupen, drängelnd und spurwechselnd, zu beiden Seiten Läden, Diskotheken müsste man sagen, jede ein anderes Produkt, eine andere Musik, mit Konzertanlagen auf der Strasse vor dem Eingang, einige davon einfach nur laut, andere überdreht scheppernd und plärrend, dahinter die hellerleuchteten Schaufenster, nichts gibt es, was man hier nicht findet, nur wenn man etwas Bestimmtes sucht ist man verloren, Schuhe, Hochzeitskleider, Sonderangebote, Schmuck und Tand, davor Stände schreiender Auslagen und Imbisstände mit Maiskolben und Perros Calientes, der Durchgang zwischen Essen und Einkauf ist gerade mal zwei Menschen breit und überfüllt, die Massen ergiessen sich konstant in die Läden und ein Rückfluss spült andere Menschen ins Freie.

Betäubt von den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Angebots, vom überwältigenden Reizüberfluss, stolpern durch vollkommen Andersartiges und doch Vertrautes und entweder die Pforten öffnen um alles wahrzunehmen, eins werden, sich verlieren oder die Konzentration wahren und ob aller extremurbanen Ablenkung das Ziel nicht aus den Augen verlieren und auf dem Weg den Hindernissen ausweichen, nicht zum Hindernis für sich selbst sondern zum Instrument des eigenen Willens werden.

 

>> Mehr Lesen


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.