Entschuldigung

February 25, 2009

Ablass unserer Gesellschaft, egoistischer Freispruch in Zeiten schlechten Gewissens, ein Sorry genügt und alles ist gut, zumindest für den Canossagänger, denn dem Beentschuldigten bringt das Ganze nicht viel, einzig das Wissen darum, dass der Bittsteller sich bewusst ist, dass seine Taten nicht gerecht und weil mit Nachspiel behaftet auch nicht fertig sind.

Schuld und Unschuld, Begriffe zur Ordnung des Zusammenlebens von Menschen, Konzepte zur Selbstentlastung, denn Schuld bringt nur den Vorteil, dass man sie Anderen zuweisen kann und sich dadurch Freiheit erkauft, nicht Unschuld, sondern Verantwortungslosigkeit. Sich entschuldigen hiesse eigentlich: sich vom Schuld-Unschuld-Schema lösen können.

Lernen aus Vergangenem. Sich nicht in der Erinnerung suhlend zermürben. Denn im Gestern liegt Stillstand. Und auch nicht vergessen und blind weitergehen, weil man gezahlt hat. Alles, was geschieht, bestimmt mit, was geschehen wird. Teile davon zu verdrängen hiesse sich selbst verleugnen.


EndoSurf Marokko

February 10, 2009

Wenige Kilometer nördlich von Agadir, ein dreistöckiges Haus, eingebettet in Tamrakht, einen kleinen Küstenort, der vielleicht hundert Meter zu viel vom Meer entfernt ist, als dass sich hier der Fischfang lohnte, vielleicht auch zu klein dafür, vielleicht zu wenig Absatz, denn zwischen Agadir und Tamrakht gibts da auch noch die grosse Fischverarbeitung, die wohl den Küstenstreifen für sich behauptet und ausserhalb ihrer Schleppnetze nur noch wenig Fangbares für die Kleinen zurücklässt, wie überall auf der Welt eigentlich.

Malerisch ist Tamrakht nicht grade. Aber darum gehts nicht. Auch nicht darum, einen weissen, sauberen Strand vor dem Haus zu haben. Oder sich ins Nachtleben stürzen zu können. Das es hier natürlich nicht gibt. Denn Marokko, das heisst kein Alkohol. Was dazu führt, dass auch das Weggehen sich anders gestaltet als in unseren kulturellen Breitengraden, wo man sich daran gewöhnt hat, sich gleich nach Ende des Arbeitstages in leichten Schwindel zu stürzen und in Bars und Clubs zu sitzen, bis die Sicht so getrübt ist, dass man nach allgemeinem Ermessen nach Hause gehen darf. Den einzigen Alkohol gibts übrigens im Camp.

Worum geht es denn dann? Um die Lage, angeschmiegt an den zweitgrössten Ozean, dessen Atmen in Wellen ans Ohr brandet, Tag und Nacht, fürs Surfen ist man hier, und das braucht weder Strand noch Pittoreszität noch Alternativprogramm. Um ein Haus mit Sonne auf der Dachterrasse und Blick auf den Strand, wo gequatscht wird über Wasserqualität und Wellenhöhe, und die, die am lautesten reden, sind danach in den Wellen oft die Ruhigsten. Um angenehme Leute, mit denen man sich über alles und nichts, über das Alles und das Nichts unterhalten kann, wo man sich wohlfühlt, wo auch keiner fragt, wenn man sich nachmittags eine Stunde zum Schlafen hinlegt, denn allen ist Eines gemeinsam: wir sind Bittsteller gegenüber Wassermassen, wir machen das Beste draus, und auch wenn das Meer hin und wieder zum Verfluchtwerden einlädt, so hat das Meer doch nie Schuld. Gezeitendemut, Ausgeliefertheit und doch immer: einzig der eigene Wille ist Instrument auf dem Weg zum Ziel.

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