Populärphilosophie oder Selber denken ist gesünder

September 30, 2011

Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass jemand zu mir kommt mit “Das musst du unbedingt lesen!”, weil es ganz anders sei, ja, klar, es gibt viele solche Bücher, aber dieses eine, GENAU dieses eine ist anders, völlig anders, darin steht die Weisheit der WELT geschrieben. Wie viele dieser Bücher sind an mir vorübergezogen. Und meistens versteckt sich dahinter nur eines – Streben nach Macht, Gier nach Geld.

Populärphilosophen schreiben Bücher um Bücher, die vielleicht sogar der Welt etwas bringen mögen. Aber eigentlich nur deswegen, weil sie die Welt zum Lesen bringen. Denn Tausende verschlingen sie, sie produzieren einen Bestseller nach dem Anderen, nach spätestens zwei Büchern werden sie sowieso nicht mehr hinterfragt, und bringen ihre Gedanken unter das Volk. Auch diese Bücher sind gut geschrieben, wenigstens zum Teil, süffig, wie man das nennt. Wenn aber einer über Nietzsche ein gut verdauliches Textchen verfasst welches der Leser versteht, dann heisst das noch lange nicht, dass man Nietzsche gelesen hat. Aber man hat das Gefühl man habe. Das ist ein bisschen so, wie wenn einem einer Guernica erklärt und man sagt, man kenne das Werk, ohne dass man ihm je gegenübergestanden hat.

Schlimmer noch als diese Werke sind die Schnellbleichen, wie Sophies Welt, die uns gleich die ganze Geschichte der Philosophie näherbringen, hübsch verpackt in einer kleinen, zugegebenermassen eher flachen Geschichte mit einem schönen Schleifchen drum. Man sollte nie vergessen, dass selber denken und vor allem: wirklich selber herausfinden immer mehr bringt als sich von einfach verständlichen Philosophiewerbetexten berieseln zu lassen.

Und so ist es denn ja nun auch. Wir sind so gewohnt, alles in fertigen Bissen serviert zu erhalten, dass es uns kaum einfallen würde, ein Original zu lesen. Nietzsche, Schopenhauer und dergleichen sind etwas kompliziert verfasst, zugegeben. Aber auch die Philosophen haben sich verändert. Es geht nicht mehr nur darum, Texte zu schreiben, die keiner verstehen soll. Sloterdijk beispielsweise schreibt äusserst gut verständlich. Klar, ein, zwei Wörter wird der eine oder andere nachschlagen müssen. Aber genau dafür haben wir Internet. Und nicht, um uns fremde Meinungen anzueignen und sie zusammenzustiefeln zu dubiosen Kopfmanifesten, nach denen wir dann handeln, Patchworkdecken aus Vorverdautem. Denn selbstverständlich sind auch die Werke der Philosophen Meinungsäusserungen. Aber es ist immer noch besser, sich eine Meinung zum Original zu machen als sich vorgefertigten medial verunstalteten Oberflächenrevisionen kampflos zu ergeben.

Denn noch sind wir nicht so träge, als dass wir das Wissen der Welt nicht wollen würden. Wenn wir es allerdings bequem im Sessel serviert bekommen mit Sahnehäubchen, dann kommt uns das sehr gelegen. Die meisten gucken dafür immer noch Galileo. Die, die noch nicht zu faul zum lesen sind, lesen Populärphilosophie. Nur sollten sie nicht vergessen, dass dahinter eben reine Konsumwirtschaft steckt. Und dass selber denken noch immer das Gesündeste ist.

 

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Die Polizei als Wegbereiterin des Konflikts

September 26, 2011

Ein Sonntagabend am Rhein, Uferstrasse. Ein Geburtstagsfest mit dreissig Leuten. Eine kleine Anlage und ein DJ, auf gemässigter Lautstärke. Die Sonne geht langsam unter und beleuchtet glückliche Gesichter von freien Menschen. Alles ist friedlich. Sehr. Friedlich.

Um 20:20 ändert sich alles. Drei Polizeiwagen stehen plötzlich da. Kurze Information, keine Verhandlung, dann wird der Generator beschlagnahmt. Auf den – noch immer friedlich – geäusserten Ärger antwortet die Obrigkeit, indem sie die Gummischrotpistole zieht und droht. Während der ganzen Situation ist dies der einzige Moment, an dem die Stimmung plötzlich kippen könnte.

Warum? Warum bereits so früh? Hat sich ein Anwohner beschwert? Nein. Die Polizei kam nur zufällig vorbei und fühlte sich wohl ausser Kontrolle. Das scheint in letzter Zeit überhaupt ein öfter auftretendes Phänomen zu sein: Wenn die Polizei denkt, dass die Kontrolle verloren geht, dann wird scharf geschossen. Allerdings mit Kanonen auf Spatzen. Denn wohl gibt es in Basel eine verschwindend kleine Minderheit, deren Ziel Randale zu sein scheint. Aber deswegen alle lebensfreudigen Menschen über diesen Kamm zu scheren ist nicht nur ungespürt und kurzsichtig sondern vor allem nicht sehr clever. Denn die, welche friedlich an einem Sonntagabend am Rhein Geburtstag feiern, haben keine Randale im Sinn. Aber wenn sie in die offenen Mündungen von Gummischrotkanonen blicken, die ohne Grund auf sie gerichtet werden, dann könnte sich das auch einmal ändern. Das ist ganz einfaches psychologisches Einmaleins.


Vierter Typostammtisch im Stellwerk am Donnerstag, 22. September 2011

September 20, 2011

Am Donnerstag, den 22. September 2011 ab 19:00 Uhr findet im Buffet im Stellwerk Bahnhof St. Johann der vierte Typostammtisch statt. Die Plattform in Basel für den ungezwungenen Austausch bei Schrift und Bier für alle, die sich für Typografie und Schriftgestaltung interessieren. Anmeldung ist nicht nötig, herzlich willkommen!

-> http://typobasel.ch


Wie es zum Schwimmbad Dreirosen kam.

September 12, 2011

Wenn man auf der Kleinbasler Seite auf der Dreirosenbrücke steht, zwischen dem rostroten Uhrtürmchen des alten Schulhauses und der himmelragenden Chemiebauscheusslichkeit, blickt man rechter Hand hinunter auf die blaue Fläche des Basketballplatzes im Dreirosenpark. Am Geländer der Brücke, ohne sich anzulehnen, die Hände leicht auf die Reling gelegt, steht ein Mann, ohne nennenswerte Eigenschaften, mit einem leichten, gläsernen Lächeln auf den Lippen, die Augen auf den Platz unter ihm gerichtet, aber er blickt durch ihn hindurch, ins Nichts und ins Alles, in weite Ferne.

Auf dem Platz spielen drei junge Männer Basketball. Ohne viel Aufhebens, ohne viel Aufsehen, kaum ein Wort wird gewechselt, das Spiel ist eingespielt, sie sind nicht zum ersten Mal hier. Sie halten inne und blicken hinauf zur Brücke, bemerken den Mann, der sich hinaufstemmt auf das Geländer, sich hinstellt, umdreht mit dem Rücken zum Platz und die Arme ausbreitet, er wird doch nicht…?

Und bereits setzt er an, springt in perfekter Manier SaltoSchraubeSalto. Er landet perfekt, taucht in die blaue Fläche ein fast komplett ohne Spritzer. Die Basketballer erstarren einen Moment, alles geht so schnell, dass sie gar nicht reagieren können und nun bemerken sie, dass unter ihnen Wasser ist, für den Bruchteil einer Sekunde stehen sie zeichentrickfilmhaft auf der Oberfläche, dann versinken sie, den Gesetzen der Physik gehorchend.

Sie tauchen wieder auf, Unglauben, fast Entsetzen auf den Gesichtern, reiben sich das Wasser aus den Augen, am Rand des Schwimmbeckens rennen Kinder in Badehosen, ein Sprungbrett ist da, keine Basketballkörbe, warum auch, denn das würde nun wirklich überhaupt keinen Sinn machen. Konsterniert schauen sie sich gegenseitig an, blicken kurz an sich herunter, doch was soll da anderes sein als Badehosen? Und betreten formulieren sie still ein jeder dieselbe Frage, die seltsam klingt, unsicher jetzt ob der seltsamen Vision eines Basketballplatzes, doch keiner traut sich, etwas zu sagen, zu absurd ist der Gedanke der in allen drei Köpfen ist. Und was ist, wenn ich nun nicht recht habe? Vielleicht bin ich ein bisschen wahnsinnig? Hier ist offensichtlich ein Schwimmbad. Oder?

Wortlos bewegen sie sich zum Beckenrand, fast beschämt, ziehen sich hoch, begeben sich zu ihren Sachen, neben den Badetüchern die Sportkleider und Basketballschuhe, und sie setzen sich in die Sonne, noch immer ein wenig benommen, aber bereits verschwimmt, verebbt, vernebelt sich das Bild. Und wenige Minuten später ist nicht mehr der Basketballplatz die Erinnerung, sondern ein seltsames Gefühl, das gerade eben noch da war und langsam nachlässt, wie der Punkt auf der Netzhaut nachdem man direkt ins Licht geblickt hat. Alles ist so wie es sein muss, warum auch nicht? Es gibt Dinge, die nicht möglich sind, und deswegen sind sie nicht. Und niemand weiss, wie viele dieser Dinge passieren, in Basel, auf der Welt, jeden Tag.

Am gegenüberliegenden Ende des Schwimmbeckens, ungesehen unbemerkt, stemmt sich ein Mann ohne nennenswerte Eigenschaften aus dem Wasser auf den Beckenrand. Ohne sich umzusehen geht er einige Schritte und dreht sich dann um. Auf seinem Gesicht spielt ein kleines Lächeln. Seine Augen leuchten. Alles ist gut.

 

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SHOW OFF – GET DRESSED / Season Opening Fashion Show im SHOWROOMBASEL

September 7, 2011

Am Samstag, den 10. September ab 17:30 Uhr serviert SHOWROOMBASEL die frisch eingetroffene Herbstkollektion. Auf dem grossen Stammtisch im Buffet Stellwerk Bahnhof St. Johann, mit anschliessendem Nightshopping bis 22 Uhr und Umtrunk in der Sonnenbar HinterdemBahnhofgehtdieSonneunter. Eine Modeschau der besonderen Art und Einblick in das Schaffen von jungen Designern aus der ganzen Welt.

Wo: Stellwerk Bahnhof St. Johann / Tram Nr. 1 bis Bahnhof St. Johann

Wann: Samstag, 10. September ab 17:30 Uhr

www.showroombasel.ch


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