*Call for Artists: SHOWROOMBASEL sucht Künstler für T-Shirt Live Prints an der VOLTA SHOW.*

May 23, 2012

SHOWROOMBASEL ist auch dieses Jahr wieder an der VOLTA SHOW in der Dreispitzhalle Basel. Mit Live-Print Artist T-Shirt Special. Und genau dafür brauchen wir dich! Schick uns ein Motiv, das wir während der VOLTA in Limited Edition live drucken.

SHOWROOMBASEL International Design Store ist eine Plattform zur Förderung von Kunst und Design am Vogesenplatz 1 in Basel.

Was du davon hast:

Wir präsentieren dich als Künstler an der VOLTA mit Kurzbio. Über 10’000 Besucher werden dein Werk sehen. Und das Original zu deinem Motiv (Skizze) verkaufen wir als Werk. 60% dieses Erlöses gehen an dich.

 

Wie du mitmachst:

Schick uns dein Motiv bis zum 30. Mai 2012 in elektronischer (vektorisierter) Form an info@showroombasel.ch. Aus den Einsendungen wählen wir die besten Zehn. Die Ausschreibung richtet sich an Künstler, die in der TriRegion Basel wohnhaft oder tätig sind.

 

Was du beachten musst:

Unter diesem Link findest du alle Infos zu Form und Inhalt: -> Briefing herunterladen


Mitte Mai. Folge Sieben der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

May 15, 2012

Obama will den Krieg in Afghanistan beenden. Mal wieder. Das ist toll! Und so einfach! Weil, wenn der Anführer der freien Welt sagt, der Krieg ist vorüber, dann geht auch keiner mehr hin! Und ausserdem spricht er sich für die Ehe von homosexuellen Paaren aus. Dass die einzigen vernünftigen Aussagen von US Präsidenten dieser Tage unmittelbar vor dem Wahlkampf stattfinden, ist zwar längst eine Platitüde, aber nach wie vor dennoch bemerkenswert. Vielleicht sollte man den Präsidenten in den USA jährlich wählen. Dann gäb’s nur noch aufgeschlossene, friedliche und vernünftige Politik. Wobei – was wurde eigentlich aus seiner Ankündigung, Guantanamo zu schliessen? Fehlanzeige. Was wir daraus schliessen können: Sollte Barack wieder gewählt werden, wird der Krieg in Afghanistan munter weiter gehen und homosexuelle Paare werden noch immer nicht heiraten können.

Die Knastblase in den USA droht zu platzen. Immer mehr Gefängnisse gehen pleite. Der Grund: zu viele Gefängnisse und zu wenige Gefangene. Und gerade die kleineren Gefängnisse an der Grenze zu Mexico haben ein Problem. Dort wurden nämlich illegale Immigranten festgehalten. Und da gibt’s gleich eine weitere Schwierigkeit: Keiner will mehr in die USA flüchten. Wundert ja auch nicht. Jetzt präsentiert sich damit ein wahres Exempel der Absurdität: Millionen wurden investiert, um die Immigration in die USA zu stoppen. Nun ist sie unter Kontrolle. Was dazu führt, dass Tausende Amerikaner arbeitslos werden, also sozusagen zu einer humanitären Krise. Flüchten die nun nach Mexico? Ganz abgesehen davon – der Fall verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig es für die USA ist, dass immer irgendwo Krieg ist. Genau dasselbe Schema. Weiterhin bemerkenswert: Während die Hälfte der Gefängnisse über zu wenige Gefangene klagt, werden in den anderen die Insassen vergessen. Zustände sind das. Also: Guantanamo trotzdem schliessen und mit den Gefangenen die anderen Gefängnisse sanieren. Und die arbeitslosen Folterer zum Kontrollgang einsetzen, der die Zellen auf vergessene Häftlinge absucht.

Die ZEIT fragt sich, ob analytisches Denken den religiösen Glauben untergräbt. Um Analytik geht’s nicht. Es ist das Denken an sich, das den religiösen Glauben untergräbt. Meine Meinung. Und nur am Rande: Selig sind die geistig Armen, denn ihrer ist das Himmelreich. Heisst soviel wie: Nur Dumme glauben an Gott. Einer der besten Marketing-Slogans aller Zeiten. Weil die Zielgruppe die versteckte Botschaft gar nicht versteht. Bei Schlecker wären für so was Köpfe gerollt.

Ach ja, und dann war Wahlkomödie in Europa. Der kleine Chauvinist in Frankreich hat endlich ausgespielt und folgt seinem Beinahependant aus Italien in den Ruhestand. Und weil’s zum neuen Präsident offenbar nicht besonders viel zu sagen gibt, wundert sich die Presse tagelang, ob nun die Première Dame in den Palast mit einzieht. Das ist auch genau das, was uns alle ganz besonders interessiert. Währenddessen in Griechenland erst die Konservativen scheitern und das Mandat zur Regierungsbildung an die radikale Linke übergeben, die sogleich verlautbaren lassen, dass der Sparkurs von Angela Merkel Mumpitz sei und man nicht bereit sei, für die eigenen Schulden geradezustehen, nachdem man im zweiten Weltkrieg geholfen hatte, Deutschland von Hitler zu befreien. Wenn das nicht so dermassen idiotisch wäre, dann könnte es durchaus als absurde satirische Politparodie auf einer Theaterbühne durchgehen.

Und was war sonst? Eigentlich erstaunlich wenig. Ausser der hirnverbrannten Verkündigung einer AIDS-Impfung, die gerade mal in zwischen 44% und 73% der Anwendungen wirkt. Nicht genug, um sie Impfung zu nennen und doch reicht’s, um Hunderttausende davon zu überzeugen, dass jetzt alles gut ist und man keine Kondome mehr benützen muss. Das ist zwar völlig zusammenhangs- und sinnfrei, aber so funktioniert die Masse.

In diesem Sinne: Auf in die zweite Hälfte dieses Monats.


SHOW OFF II – Season Opening Fashion Show im SHOWROOMBASEL

May 2, 2012

Diesen Samstag, den 5. Mai um 17 Uhr zeigt SHOWROOMBASEL International Design Store die neue Kollektion. Nach dem kompletten Makeover des Ladenlokals am Vogesenplatz 1 ist der Event am Samstag auch gleich als Re-Opening zu sehen.

Eingeladen sind alle, die sich für junge internationale und schweizerische Mode interessieren. 10 Labels zeigen an der Show ihre neusten Kreationen. Anschliessend können alle gezeigten Stücke und natürlich noch viel mehr direkt im Laden gekauft werden, der im Nicht Shopping bis 22 Uhr geöffnet ist. Und in der Stellwerk-Bar Hinterdembahnhofgehtdiesonneunter trifft man sich zum Meet&Greet, zu Drinks und Dialog.

Nicht verpassen!

http://www.showroombasel.ch
Der Event auf Facebook


Ende April. Folge Sechs der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

April 30, 2012

Die haben nun rausgekriegt, dass es Kinderarbeit in Glencore-Minen gibt. Liebe Watchdogs. Macht’s doch mal andersrum: Verdächtigt sämtliche Minen der Kinderarbeit und findet dann heraus, welche KEINE Kinder beschäftigen. Geht schneller und wird nur ganz wenige geben, die davonkommen. Und mit den Worten Hagen Rethers: Die kriegen alles raus. Als nächstes werden die rauskriegen, dass Monsanto mit Kartellpreisen Saatgut kontrolliert.

In Afrika haben Forscher ungeheure Wasserreservoire tief unter der Erde entdeckt. Namentlich in Nordafrika, in Gegenden, die von Dürre besonders heimgesucht werden. Was denkt ihr, wie schnell wird es gehen, bis Nestlé dieses Wasser fördern wird, weil niemand sonst das Geld hat, die Reservoire zu erschliessen, und anschliessend das kostbare Nass in Flaschen füllt und exklusiv verkauft? Die kündigen nämlich schon an, dass eine erwartete verbesserte Rohstoffsituation die Zahlen für’s 2012 sichern wird. Verdächtig, nicht? Möglicherweise kommt ja aber auch Google und macht das Geschäft strittig, und anschliessend kauft man in Nordafrika dann nur noch Zoogle in Flaschen. Was fast sicher ist: einfach nur so wird die afrikanische Bevölkerung dieses Wasser nicht nutzen können. Wär doch schade. Gibt ja Geld zu verdienen.

Um noch rasch bei Nestlé zu bleiben: die haben grad für 11.6 Milliarden Pfizer Nutrition gekauft. Damit ist der Konzern auch in Sachen Babynahrung wohl die Nummer Eins auf der Welt. Allerdings müssten sie sich überlegen, ins Pfizer-Paket auch gleich die kleine Blaue zu integrieren. Das wäre doch eine nachhaltige Wertschöpfungskette: Viagra für mehr Babys, die man dann auch gleich mit Nahrung versorgen kann.

Google auf der anderen Seite hat grad Anderes als Wasser in Afrika zu tun. Die stehen vor Gericht gegen Oracle, die meinen, Google habe Patentrechte verletzt. Nun, das ist ja grundsätzlich ein alter Schmu und diese ganzen Patentstreite sind eher zu alltäglichen Gewohnheit geworden. Spassig an dieser Angelegenheit: die Jury setzt sich zusammen wie immer. Also in diesem Fall beispielsweise ein Busfahrer, ein Klempner, ein Finanzberater, eine Postbotin. Die sich erstmal sechs Wochen lang anhören müssen, wie genau JAVA funktioniert. Aufgrund wovon werden die ihr Urteil fällen? “Ich habe die letzten Wochen kein Wort verstanden, aber Larry Page trägt den schöneren Anzug.”? Übrigens: sollte Oracle Recht erhalten, so würde Larry Page den Schadenersatz über rund eine Milliarde US-Dollar fast ohne mit der Wimper zu zucken aus der privaten Bordkasse berappen können. Was bei der Verhandlung rauskommt ist also fast gleichgültig. Möglicherweise wird’s einem von beiden dann auch irgendwann einfach zu blöd und in zwei Wochen lesen wir dann erstaunt, dass Google nun Oracle kauft.

US Officials heuern in Kolumbien Prostituierte an. Skandal! Die Truppe, die in Kolumbien die Vormachtstellung der USA im weltweiten Kokainhandel auf diplomatischem Weg sichert, lässt sich verführen! Ich bin sicher, die sind in ihrem Kampf nicht nur in dieser Hinsicht schwach geworden. Mal eine gepflegte Schneeballschlacht zwischen den Fronten beispielsweise. Bei einer Party mit zwanzig Prostituierten? Liegt nicht so weit, was? Aber wer mal längere Zeit in Kolumbien war, wird die Jungs verstehen. Wenig später lasen wir in der BBC, dass es bei der Untersuchung jedoch nicht darum ging, dass sich Mitglieder des Secret Service an Frauenhandel und Prostitution beteiligen. Denn das wäre ja absolut ok. Nein, die Frage ist: Haben die Prostituierten eine Wanze in der Botschaft versteckt?? Ausserdem erreichte uns ein paar Tage später dann die Nachricht, US Secret Service Agenten hätten auch in El Salvador Prostituierte in die Botschaft geholt. Was mich wirklich wundert: Haben die ganzen Länder denn wirklich nie eine Ahnung gehabt, wofür die ungeheuren Budgets ihrer Botschafter in den riesigen Villen verwendet werden? Was dachten die denn? Für Blumentöpfe und kalte Buffets oder wie?

Australien holt seine Truppen aus Afghanistan zurück. Dies zu einem Zeitpunkt, wo die News wieder voll der neuerlichen Angriffe von Taliban auf Sicherheitskräfte sind. Aber in Australien, wie auch in den USA stehen Wahlen an. Und anlässlich derer pflegt man jeweils die Soldaten nach Hause zu holen. Was im Land selbst passiert, ist da zweitrangig.

Derweil testet Indien eine Langstreckenrakete, die auch Atomsprengkörper transportieren kann. Keiner sagt da was. Nicht wie bei Nordkorea natürlich. Übrigens haben nach Angaben der BBC China, Russland, Frankreich, die USA und Grossbritannien solche Raketen. Bei Israel denkt man’s, man weiss es aber nicht genau. Wenn ich denke, wie man bei anderen Staaten loslegt, wenn man’s nicht so genau weiss… Schnell als Rekapitulation, nur damit ich mir über etwas klar werde: Israel hat eine Langstreckenrakete, Iran keine. Und Iran muss man bombardieren, weil…? Ausserdem testet als Reaktion auf Indien auch Pakistan ein Geschoss, das atomare Sprengkörper transportieren könnte. Das wäre, wenn es nicht erschreckend wäre, nur traurig. Kalter Krieg im Süden? Ist das die logische Konsequenz des wirtschaftlichen Aufstiegs?

Wie ging’s übrigens in Nordkorea weiter? Nachdem sich Seoul über die Feierlichkeiten zum Todestag von Kim Jong Il lustig gemacht hatte und kritisiert hatte, dass das Geld für den misslungenen Raketenstart für die hungernde Bevölkerung hätte eingesetzt werden können, droht Nordkorea nun, man könne Seoul innert Minuten in Schutt und Asche legen. Und nun hätte man eine vergleichbare Situation wie bei Iran vs. Israel. Seid ihr auch schon so gespannt?

Und wenn wir’s schon davon haben: Kairo kündigt die Gaslieferungen nach Israel. Was zu einem kritischen Engpass führen könnte. Ich empfehle einen Präventivangriff. Das scheint die patenteste Lösung zu sein, wenn es um israelische Meinungsverschiedenheiten geht. Oder Mauern bauen. Das macht man nun gegen Norden hin. Zehn Meter hoch soll die neue Mauer sein und Israel vor dem Libanon schützen. Eine Nation spielt verrückt. Und der Rest der Welt? Schaut zu und fliegt per Easy Jet nach Tel Aviv. Und wundert sich, wenn die Lieben in den Ferien in Israel in die Nähe von explodierenden Bomben kommen. Fliegt doch nach Libyen. Oder nach Afghanistan. Da ist es auch total schön, sagt man.

Und indessen lässt der deutsche Unionsfraktionsvorsitzende der CDU Volker Kauder an der Islamkonferenz verlautbaren, der Islam sei kein Teil Deutschlands. Muslime würden aber selbstverständlich als Staatsbürger akzeptiert, versucht er sich anschliessend zu retten. Nun, das Land mit der zweitgrössten türkischen Stadt tut auch besser daran, diesen Teil der Bevölkerung zu akzeptieren. Und der Rest wundert nicht wirklich: Deutschland hatte schon immer gewisse Probleme, “fremde” Religionen in die eigene Tradition einzubinden. Auch wenn man diesbezüglich mittlerweile so viel aus der Geschichte gelernt hat, dass man die einst Verfolgten nun in ihrem eigenen Genozid unter dem Deckmantel der Selbstverteidigung unterstützt und zu diesem Zweck kräftig mit Waffen beliefert.

Ach und die Forschung hat rausgefunden, dass, wer glücklich ist, weniger Herzprobleme hat. Das ist ja sogar schon sprachtechnisch eine offenkundige Erkenntnis. Ich muss noch einmal auf das Zukunftsmodell für Finnland zurückkommen: Gruppensexparties mit ambulanten Botoxstationen! Vielleicht sollte man die Parties noch erweitern, um Finanzseminare: an der University of Essex hat man rausgefunden, dass, wer mit Geld umgehen kann, glücklicher ist. Sprich: weniger Schulden, weniger Stress. Das nenne ich auch mal eine bahnbrechende Erkenntnis. Wow.

Morgen ist Tag der Arbeit. Da gibt’s überall in Europa wieder Panem et Circenses. Wie früher: Kolosseum drumrum und dann wird das ein Heidenspektakel für Jung und Alt. Weil, um Politisches geht’s da schon lang nicht mehr. Nur um’s Krieg spielen. Ich wünsche viel Vergnügen.


Ende März. Folge Vier der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

March 31, 2012

Männliche Fruchtfliegen trinken Alkohol wenn sie keinen Sex kriegen. Und in England steigen derweil die Todesfälle aufgrund von Leberschäden. Bei denjenigen Todesfällen, die ihre Ursache in schwerem Alkoholismus haben, gehören zu den Opfern vorwiegend Männer. Keine weiteren Fragen. Allerdings weiss eine Studie, dass in Hungerzeiten mehr Frauen zur Welt kommen. Und schliesst daraus, dass Frauen wohl genügsamer sind. Eher wahrscheinlich finde ich, dass in Krisenzeiten Frauen wohl einfach der bessere evolutionäre Wetteinsatz sind, wenn es um Arterhaltung geht. Wobei dann wiederum Polygynie, zumindest aus darwinistischer Sicht, durchaus salonfähig wird, und nicht nur das: überlebenswichtig. Hungern gegen Alkoholismus?

Hingegen hat die Medizin nun herausgefunden, warum die Elektroschocks, die in der Therapie von Depressionen seit mehr als einem halben Jahrhundert eingesetzt werden, eigentlich wirken. Und das macht Lust auf Ersatztherapien, die nicht ganz so heftig sind. Unter anderem hoch im Kurs: Psilocybin. Überhaupt fällt auf, dass Drogen in der Medizin immer mehr Stellenwert erhalten. Anfang März war’s LSD gegen Alkoholismus. Obwohl wir ja nun wissen, dass mehr Sex dort vielleicht auch helfen könnte. Und nun Pilze gegen Depressionen. Vielleicht könnte man doch auch wieder Opium gegen ADHS einsetzen? Das half früher gegen Neurasthenie ganz fabelhaft. Und im übrigen ebenfalls gegen Depression. Obwohl – auch Ritalin wird ja bereits als Droge gehandelt. Da muss man dann vielleicht gar nicht weitersuchen. Zu Depression machen sich auch die Finnen Gedanken. Die haben in einer Studie herausgefunden, dass Menschen, die alleine leben, öfter Depressionen haben. Das ist ja nun mal wieder eine unglaublich bahnbrechende Einsicht. Und bringt mich auf den Gedanken, dass sich gerade in Finnland nun ganz neue Wege anbieten, im Rundumschlag alle Probleme in den Griff zu kriegen: Swinger-WGs mit Drogenexzessparties und integrierter Botoxbehandlung wären DIE Lösung für Alkoholismus und Depression.

Täglich ein Aspirin beugt Krebs vor, weiss eine Studie zu berichten. Und fördert ganz nebenbei das gepflegte Magengeschwür. Denn in den ersten Jahren ist das Risiko von inneren Blutungen stark erhöht. Heisst also im Klartext: Wer nach den ersten fünf Jahren der Therapie nicht an inneren Blutungen stirbt, wird dafür später weniger Krebs haben. Was ist denn das nun wieder für ein Mumpitz? Braucht Bayer eine Finanzspritze? Man hätte sich doch einfach wieder eine Schweinegrippe ausdenken können. Das half damals Roche ganz gut über die Krise hinweg. Und nach den Trends der letzten Nachrichten frage ich mich, ob’s denn vielleicht nicht was gegen Krebs gibt, was den Magen schont und dabei auch noch lustige Halluzinationen auslöst? Dann wär der Cocktail eigentlich perfekt.

Ganz grundsätzlich allerdings: ein bisschen Dreck in der Kindheit schadet nicht. Schön dass das endlich seinen Weg in die öffentliche Meinung findet. Dass Allergien und andere Zivilisationskrankheiten erst mit der Erfindung der Schmutz- und Keimparanoia aufgetreten sind, hätte man allerdings auch schon früher merken können.

Internationaler Tag des Wassers war auch. Und in diesem Zuge gab’s auch einige Gipfel. Wo man darüber diskutierte, dass jedes Jahr 3.5 Millionen Menschen sterben wegen schlechter Wasserqualität. Das Thema Wasser sei zwar stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Allerdings stünden teilweise wichtige Informationen nicht zur Verfügung. Fragt doch mal Nestlé. Oder macht dort eine Hausdurchsuchung wie bei Blocher. Aber versucht dann bitte, die Durchsuchung nicht vorher anzukündigen. Die macht dann nämlich nur noch halb so viel Spass.

Neues gibt’s auch bei Apple. Die eröffnen Pläne, Geld loszuwerden. Nicht etwa um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die seien ja gar nicht so schlecht, denn was darüber gesagt wird sei ja Gott sei Dank alles gelogen. Nein, man will damit die eigenen Aktien zurück. Vorerst. Blöderweise machen die letzten Meldungen dem Ganzen nun vielleicht doch einen kleinen Strich durch die Rechnung. Denn die Untersuchung bei Foxconn wurde endlich veröffentlicht. Und die zeigt, dass eben alles doch nicht ganz so gelogen ist. Um die Arbeitsbedingungen immerhin so weit anzupassen, dass Apple nicht komplett das Gesicht verliert, müssten Tausende neue Arbeiter angestellt werden. Vielleicht finden die 96 Milliarden in Cash nun doch einen Abnehmer. Freuen wir uns aber nicht zu früh: Sobald die Medien das Interesse verloren haben, wird sich auch niemand mehr darum kümmern, was bei Foxconn abgeht. Oder das iPhone 5 wird einfach deutlich teurer. Und nicht vergessen: die Ergebnisse der Studie sind, aller Brisanz zum Trotz, bloss, Empfehlungen.

Um Arbeitsbedingungen geht’s wohl auch bei H&M. Die hatten ein Rekordquartal, welches nur dadurch gebremst wurde, dass Mehrkosten entstanden, die nicht an die Kundschaft weiter gegeben wurden. Und wenn irgendwo in der Wertschöpfungskette auch nur ein Glied korrekt bezahlt würde, könnte man wohl gleich den ganzen Laden schliessen.

Dass in der Nordsee bei Total ein Gasleck entdeckt wurde, von dem man anfangs annahm, dass die Behebung Tage oder Wochen dauert war eher eine Nachricht aus der Kategorie Ferner liefen. Dass man mittlerweile die Dauer der Katastrophe auf ein halbes Jahr hochkorrigiert, wird zur medialen Gewohnheit. Das machte auch BP im Golf von Mexico. Und Japan in Fukushima. Mich wundert, dass die Welt den ersten Schätzungen immer noch glaubt. Nun, nein, eigentlich wundert es mich nicht. Neu ist aber, in solchen Fällen darauf zu bauen, dass sich die Probleme von selbst lösen. Na, das ist doch eine schöne Welt, oder?

Streichelkurs gilt auch für die Schätzung von US-Katastrophenschutzexperten zu einem Atomangriff auf Washington. Ob bei einem Selbigen wohl tatsächlich lediglich 45’000 Menschen sterben würden? Schön hingegen ist die Aussage, dass ein solcher Atomangriff “nicht das Ende der Welt” bedeuten würde. Nein, wohl nicht. Das sind bloss die USA. Ein Schwellenland mit nurmehr künstlich aufgeblähter Brust, auf der ein etwas verwaschener Coca Cola-Schriftzug prangt. Vielleicht würde man danach herausfinden, dass die Welt auch ohne Anführer frei ist. Oder einfach genauso frei wie bisher. Viel eher zum Ende der Welt würde wohl der geplante Angriff von Israel gegen den Iran führen. Obwohl man mittlerweile nicht mehr so sicher ist, ob ein solcher Angriff die Atomwaffenproduktion stoppen würde. Meine Meinung: Stoppen würde er ihn ganz sicher nicht. Höchstens zurückwerfen. Und dem Iran ganz deutlich signalisieren, dass man im Eilzugtempo die Produktion wieder aufnehmen muss, um sich gegen Israel zu wehren. Weil die eine substantielle Bedrohung darstellen. Tja. So entstehen Weltkriege. Angst. Gegenangst. Das kennen wir aus dem Tierreich, nicht?


Beziehung

March 28, 2012

Wer Beziehung sagt, meint das Verhältnis zwischen Menschen. Es gibt gute Beziehungen und es gibt schlechte, solche die funktionieren und solche, die man schon längst hätte aufgeben sollen. Es gibt Menschen, die eine Beziehung möchten und schon lange eine haben, solche, die keine wollen und doch viele führen. Viele missverstehen Beziehung als Liebe. Und man meint mit Beziehung auch immer, dass sie entsteht, wenn zwei Menschen sich aufeinander beziehen, oder zumindest ist eine Beziehung das, was daraus resultiert. Im Wortsinn der Beziehung wie wir sie verstehen steht aber nicht das Sich-Aufeinander-Beziehen, sondern das Beziehen. Sonst hiesse Beziehung ja Sich-Aufeinander-Beziehung. Was beziehen wir? Geld. Essen. Wohnungen. Betten. Zum Beispiel in der Kaserne im Militär.

Beziehen wir in Beziehungen Menschen?


Mitte März. Die dritte Folge der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

March 15, 2012

Weil einfach zu viel Absurdes auf der Welt geschieht, machen wir das nun neu versuchsweise im Zweiwochentakt. In der Zwischenzeit bemerke ich, dass ich Nachrichten nur noch aus satirischem Interesse lese. Aber das geht wohl nicht nur mir so. Nun denn, die ersten zwei Märzwochen:

Brasilien ist nun die sechstgrösste Wirtschaftsmacht der Welt und hat England überholt. Vielleicht sollte England nun sofort den Humber stauen, die Hälfte der Insel unter Wasser setzen und auf neu gerodeten Flächen Rinder für McDonalds züchten. Dann kommt’s wieder besser! Vielleicht werden dann die Füchse auch nicht so schnell grösser. Denn die entwickeln sich auf der Insel ganz prächtig.

In Belgien trauert man über die Kinder des Busunglücks im Wallis. Das ist schlimm und macht betroffen. Und weiterhin stirbt eine Million Kinder pro Monat an Unterernährung aus Profitgier einer kleinen Schar von multinationalen Unternehmen. Das ist auch schlimm. Macht unsere Gesellschaft aber nicht so betroffen. Weil es schon längst keine Schlagzeile mehr verdient. Aber ich wiederhole mich.

Die USA haben derweil rausgekriegt, dass China eventuell die Fähigkeiten hätte, Computersysteme zu hacken. Na das ist ja mal bemerkenswert. Wie wär’s mit einer gepflegten Invasion? Vielleicht zusammen mit Israel? Iran liegt ja eigentlich auf dem Weg. Da könnte man ja nach dem Präventivangriff gleich weitergehen. Vor dem Iran könnte man sich ja noch um Afghanistan kümmern. Rasch zur Erinnerung: Im Februar hatten US-Soldaten Korane verbrannt. Das fand man in Afghanistan nicht besonders komisch. Im Anschluss gab es verschiedene Unruhen. Mittlerweile fangen US-Soldaten an, Massaker in der Zivilbevölkerung zu verüben. Und im Anschluss daran gibt’s Attacken von Afghanen. Obama meint, er habe keine Eile, die Truppen aus Afghanistan raus zu bekommen, weil das oberste Ziel sei, Afghanistan zu helfen, gegen die Taliban zu kämpfen. Wie wenn die, nach den neusten Nachrichten zu urteilen, das Problem wären. Und inzwischen schaltet sich der Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ein und meint, es sei ein Fehler, sich für die Koranverbrennungen zu entschuldigen weil man sich als Anführer der freien Welt nie zu entschuldigen habe. Leute, sollte Romney an die Macht kommen, dann gute Nacht.

Und es gibt wieder Neues von der Botox-Front! Nachdem Botox ja nun leider doch nicht gegen Migräne hilft, ist es nun gut gegen Depression. Tja, wenn einen die eigenen Falten so runterziehen, dass man depressiv wird… Das nenne ich Serendipity: Was in der Medizin als Phänomen offiziell bezeichnet wird, wird zwar gemeinhin im Deutschen als Serendipität bezeichnet, was aber lediglich ein anglizistischer Neogermanismus ist. Korrekt übersetzt wird der Ausdruck als “Mehr Glück als Verstand“. Ich finde, das ist ehrlicher.

Dafür hilft LSD gegen Alkoholismus. Das wundert nun auch eher weniger. Wenn Alkoholiker nunmehr die schönen Farben im Glas bewundern, kommen sie weniger zum Trinken. Das ist allerdings auch kein bisschen neu. Bereits vor 45 Jahren wurde eine entsprechende Studie lanciert, 2006 wurden die Schlüsse daraus gezogen. Aber schön, dass irgend ein Redaktor im März wieder über die Datei gestolpert ist und sie als Neuigkeit verkauft. Insgesamt klingt das alles irgendwie fast so als müsste man vielleicht bloss einen Weg finden, LSD und Botox zu mischen. Und sämtliche Zivilisationskrankheiten wären beseitigt.

In der Zwischenzeit ändern Coca Cola und Pepsi ihr Rezept. Weil das alte Rezept krebserregend war. Doch man wechselt nicht wegen der Krebsgefahr. Denn: das wär ja kein Problem, und ausserdem anerkennt man die Richtigkeit der Studie auch nicht. Man will aber vermeiden, dass auf Coca Cola-Büchsen in Zukunft ein Hinweis bezüglich der Krebsgefahr steht. Ausserdem ist zufälligerweise durch die Änderung auch die Produktion günstiger geworden. Huhn oder Ei? Was ist denn nun wirklich der Grund? Ich blicke da nicht ganz durch. Vielleicht könnte man ja etwas Botox? Oder doch LSD? Ich mag den neuen deutschen Sprachgebrauch. Da darf man einfach mal Gedanken. Und muss nicht mehr immer gleich Grammatik.


Der Februar. Eine weitere Folge der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

February 25, 2012

Irgendwie scheint mir die Welt immer absurder zu werden. Vielleicht ist das ein Wahrnehmungsproblem. Aber möglicherweise ist sogar was dran. Wir werden sehen. Was war im Februar?

Meine Lieblingsheadline: Fünf Orcas klagen SeaWorld der Sklaverei an. Ob sie die Anklage selbst unterschrieben haben, weiss man nicht so genau. Und ob als Richter ein Pavian eingesetzt wird, darüber schweigt BBC. Aber demnächst wird wohl der Weltverband der roten Thunfische Japan des Genozids beschuldigen. Wenn er Recht bekommt, wird man ihm, einem Volk, das weitgehend in der maritimen Diaspora lebt, einen Heimatstaat zuweisen, vielleicht im Pazifik. Wo die Thunfische sofort beginnen werden, ihrerseits den Genozid an allen Nachbarvölkern anzustreben. Angesichts der geschichtlichen Ereignisse wird man das tolerieren und auch Easyjet wird bald Flüge dahin anbieten. Doch wahrscheinlicher ist, dass sie den Gerichtsfall verlieren, da Japan mit dem übrig gebliebenen Geld aus der weltweiten Fukushima-Spendenaktion die besseren Anwälte bezahlen können wird.

Wenn wir schon beim Thema Sklaverei sind: In Mittelamerika rätselt man über das Nierenversagen von Tausenden von Arbeitern in den Zuckerrohrplantagen, die Tag für Tag ohne Schutzmaske Pestiziden und Herbiziden ausgesetzt sind. Mein Vorschlag: fragt doch mal Monsanto. Die wissen sicher was. Oder vielleicht weiss man bei Nestlé Rat? Deren Ergebnis war besser als erwartet. Dies vor allem durch den Marktzuwachs in Schwellenländern. Der Verkauf von Wasser ist eben einfach krisenresistent.  Darüber könnte man eigentlich vergessen, dass 500 Millionen Kinder auf der Welt unterernährt sind. Oder dass ein neuer Damm in Brasilien ganze Völker ihres Lebensraums und ihrer Existenz berauben wird. Vielleicht kann man sich jetzt schnell hinter die Ohren schreiben, was man diesen Menschen antut, damit man dann später nicht so überrascht sein muss, wenn sich das Blatt gegen einen wendet. Und vielleicht lesen wir dann vielleicht nicht in den Medien, dass beispielsweise in Kolumbien bereits zwei Attacken gegen Polizisten gegeben hat. Zwei. Hat in den ganzen Jahrzehnten des Bürgerkriegs wirklich niemand mitgezählt?

Derweil wundert man sich, dass die libyschen Rebellen eine Gefahr für die Stabilität sind. Na, was dachtet ihr denn? Rebellen bewaffnen, die Regierung stürzen lassen und dann ist alles gut? Das hat ja immer schon hervorragend funktioniert. Eben zum Beispiel in Kolumbien. In Afghanistan. Oder im Irak. Dürfen ganze Staaten eigentlich so dermassen naiv sein?

Weil das aber offenbar doch ein Grund zur Sorge ist, stockt die Schweizer Armee das Budget auf. Ich gehe einmal davon aus, dass das geschieht, um die Staatskasse der USA zu retten, weil auch die Schweiz sich nun an den multinationalen Kriegen beteiligen kann. Und wohl brauchen wir auch deswegen neue Kampfflugzeuge. Obschon angesichts der Sinnlosigkeit dieses Kaufs die Frage aufkommt, ob wir es hier nicht mit einem Wulff im Maurerpelz zu tun haben.

Dafür lässt Apple nun die Fabriken untersuchen, wo ihre Produkte gefertigt werden. Es bestünde Verdacht auf menschenunwürdige Bedingungen. Ich könnte schwören, das wurde bereits untersucht und publiziert. Und zwar im Januar. Soviel zum Thema “Und was unternehmen wir jetzt?”. Während dessen ist publik geworden, dass Social Apps Kontaktdaten speichern: Twitter hat zugegeben, dass das Adressbuch eines Benutzers in einer Datenbank gespeichert wird, wenn er das Feature “Find friends on Twitter” verwendet  und akzeptiert, dass Twitter damit Zugriff auf das Adressbuch hat. Das ist doch mal wirklich eine Überraschung! Social Media Plattformen sind interessiert an Userdaten? Wirklich?? Na, wo kommen wir denn da hin! Demnächst finden die heraus, dass Facebook mit Daten Geld verdienen, indem sie benutzerdefinierte Werbung verkaufen, man stelle sich das vor!

An anderer Front wird’s noch viel gläserner: Die Wissenschaft kann nun Gedanken lesen. Und Ersatzteile für Menschen lassen sich ganz einfach ausdrucken. Solche Geschichten hatten wir doch schon mal. Damals nannte man die aber Science Fiction und keiner wollte so recht daran glauben.

Übrigens ist nun ausserdem klar, dass Botox möglicherweise doch nicht so gut gegen Migräne ist wie man anfänglich angenommen hatte. Diejenigen, denen Botox ursprünglich geholfen hatte, sollten sich vielleicht Gedanken machen, warum ihnen ein paar Fältchen im Gesicht so viel Sorgen machen, dass sie ein psychosomatisches Leiden entwickeln. Einfach mal andersrum ansehen, die Dinge. Kann helfen. Aber Vorsicht: gesunder Menschenverstand ist eine mögliche Nebenwirkung.

Wenn man noch keine Migräne hat, dann sollte man sich mindestens darauf achten, herumzurennen. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Menschen, die langsam gehen, wahrscheinlich im Alter dement werden. Soll man nun im Allgemeinen schneller gehen? Mehr Stress im Alltag! Lieber Burnout als dement, oder? Da muss man doch auf jeden Fall schauen, dass man gut krankenversichert ist. Wenn man damit kein religiöses Problem hat. Denn das ist grad ein brennendes Thema in den USA, wo tausende fanatische Gottgläubige sich nicht mehr versichern lassen können, weil die Krankenkassen nun Verhütung bezahlen. Ja bravo!

Zu guter Letzt gibt es Neuigkeiten aus der deutschen Sprache: Ein Slogan hat sich zum Präzedenzfall entwickelt. Oder zumindest zum Symptom. Ich spreche nicht von Schlecker. Sondern von der Sprachverarmung “So muss Elektronik” von Saturn, die offensichtlich einen sprachlichen Erdrutsch einläutet. Die neuste Ausgeburt televisierter Idiotie: “Ich kann Kanzler“. Und gleich anschliessend im selben Werbeblock: “Wer traut sich jetzt noch Präsident?“. Nun, wenn es mit der deutschen Politik so weit wie mit der deutschen Sprache ist, kann jeder Kanzler, und jeder dürfte sich Präsident trauen. Meine Meinung. Das ist SMS-Generation. Das ist Zeitgeistdeutsch. Bin ich anachronistisch wenn ich mich ob der Verrohung des Weltgeschehens nicht mal mehr an den Kopf fasse?

In diesem Sinne: mich spannt März. Einen schönen Monat wünsche ich!


Was war im Januar? – Eine höchst selektive Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

January 27, 2012

Tja, was war? Sturm Andrea war. Und so schlimm war die gar nicht. Nicht, dass der Name besagen sollte, dass der Sturm besonders schlimm sei. Übrigens heissen die auch gar nicht alle wie Frauen. Tatsächlich liefen verschiedene Frauenverbände 1998 Sturm und erreichten in ihrer Höchstgeschwindigkeit, dass fortan alle Jahre zwischen Männern und Frauen gewechselt wurde. Deswegen gibt’s jetzt auch Lothare. Und Joachims.

Ein Sturm geht auch durch das Internet. Kim Dotcom erhält für’s Onlinestellen von Filmen eine höhere Strafe als Mörder und Vergewaltiger. Die Musik von Michael Jackson gratis zur Verfügung zu stellen ist offensichtlich ein viel schwerwiegenderes Verbrechen als denselben umzubringen. Derweil kommt man gegen Vorweisen eines iPads über die Grenze, während aber beispielsweise der alte Schweizer Pass schon längst nicht mehr genügt. Und der Hersteller dieser neuen Identifizierungsmöglichkeit hat tatsächlich eine Untersuchung durchgeführt, die zum Ergebnis kommt, dass das, was die ganze Welt schon lang wusste, tatsächlich wahr ist: menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in fast allen Betrieben, die Apple beliefern. Konsequenzen? Och, nee, lass mal. Aber ja, wir arbeiten daran. Wir haben’s doch erst grad rausgefunden.

Und derweil zieht uns Google mit neuer Privacy Policy den letzten Rest Selbstbestimmung aus der Tasche. Was allerdings auch Vorteile haben kann: wenn man sich nicht ganz genau aussucht, welche Freunde man auf Google+ hat, wird man demnächst in der Suchmaschine nur noch mit total herzigen Bildern von Katzen und Hunden beliefert. Eigentlich kann man künftig bei Google nur noch anständige Suchresultate erhalten, wenn man eben nicht bei Google+ ist. Way to go. Doch das ist auch nicht alles: Google ist nun nicht mehr nur Informationsverteiler, sondern beginnt sie nun auch selbst zu erschaffen, in der neuen Google Education. Wir werden also demnächst vielleicht von Kind auf getrimmt, dafür zu sorgen, dass die Einkünfte aus Internetwerbung nun dauerhaft höher als die aus der Printwerbung bleiben. Und dass die neuste Modekrankheit, Internet Addiction Disorder ihren Nährboden nie verliert. Ich frage mich, wann die erste IV an manisch Internetsurfende ausbezahlt wird.

Die ganze Welt ist gelähmt und zugespamt aufgrund von nicht einmal zwei Dutzend Opfern einer Kreuzfahrtskatastrophe. Entschuldigt die vermeintliche Pietätslosigkeit. Aber dieselbe Welt hat darob nicht einmal mehr die Zeit, sich zu überlegen, was eigentlich vor der Küste Neuseelands geschieht. Das Containerschiff ist auseinandergebrochen und die riesigen Mengen Öl verwüsten weiterhin das Meer. Aber das wollen wir gar nicht so richtig wissen. Genauso wenig wie den Hungertod einer weiteren Million Kinder im Januar. Die von ganzen zehn Konzernen wie Monsanto, Cargill, Bunge, Syngenta, Dreyfus und Pioneer verschuldet werden, weil diese die Lebensmittelproduktion der Welt kartellisieren. Doch das reicht nicht für eine Schlagzeile. Warum auch. Die Kohle stimmt ja.

Und sonst? Eine Studie zeigt, dass Hochhausbau direkt proportional zu einer anstehenden Krise verläuft. Das war beim Empire State Building so, das scheint in China so zu sein. Beruhigend, dass beispielsweise in Basel gerade drei Türme in Planung sind. Und um wieder ein bisschen von der Krise abzulenken muss ein Hildebrand über die Klinge springen. Dabei ist viel bemerkenswerter, wie leicht man Währungs- und Aktienkurse beeinflussen kann, als dass jemand damit Geld verdient. Aber eben, das ist alles eine Sache des Blickwinkels. Und um eine andere belanglose Affäre wieder aufleben zu lassen, hat man jetzt auch herausgefunden, dass der Vatikan in gut Guttenbergscher Manier die Biografien seiner Kardinäle von Wikipedia kopiert und veröffentlicht. Wen interessiert denn das bitte. Um es in Hagen Rethers Worten zu sagen: Die kriegen alles raus.

Und ganz nebenbei plant die USA einen neuen Krieg. Und kürzt das Militärbudget, bekräftigt aber im selben Moment, dass ebendieses Budget weiterhin wächst. Zur Folge hat die Kürzung, dass die USA nur noch jeweils einen Krieg führen kann. Und das ist unter Anderem deswegen möglich, weil sich mehr andere Länder an den Kriegen der USA beteiligen. Also retten multinationale Kriege die Kriegskasse der USA. Well played!

Hach ich freu mich auf den Februar. Die Welt ist doch ein wunderbares Schmierentheater.


IRBIS-12° öffnet die Türen am 28. Januar 2012 in Samedan

January 25, 2012
“Dancing Fundaments. The Aesthetics of Inconvenience.” heisst der Titel der dritten Ausgabe von IRBIS, dem Kunstraum aus Eis in Samedan. Man darf gespannt sein: Neben Werken von Vera Ida Müller, Pandora Sarasin, Kerim Seiler, Dominik Wullimann, Saskia Edens, Celia und Nathalie Siedler, Voodoo Chanel, Geraldine et Tizian, Anna Nitchaeff und Mirko Baselgia präsentiert der Verein Kunstruiert, Veranstalter von IRBIS, eine völlig neue Art der Vermittlung. gARTget heisst die neuronal konzipierte App, die dem Besucher mittels QR Codes erlaubt, die Werke in einen grossen Bedeutungs- und Herkunftszusammenhang zu setzen.
Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Wenn Sie nicht so oder so in den Skiferien und damit in der Nähe sind, dann ist IRBIS-12° auf jeden Fall einen Wochenendausflug wert.
IRBIS-12° – Dancing Fundaments. The Aesthetic of Inconvenience.
Plazzet 1
7503 Samedan
Vernissage  Samstag 28. Januar 2012
Ausstellung Montag 30.Januar.2012 – Freitag 02 März 2012
In Kooperation mit Chesa Planta und LaTour

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