Bravo Welt!

January 2, 2012

Und es ist da. 2012. Das Jahr. Die allermeisten guten Vorsätze, kaum waren sie gesattelt, harren schon wieder abgehalftert des nächsten Einsatzes. Und die Welt? Während sich Nordkorea erholt vom Tod seines grossen Heiligen, betont Südkorea, man befinde sich weiterhin im Krieg. Nigeria fackelt weiterhin überschüssiges Erdgas ab anstatt es zu nutzen und kündigt das Ende der Erdölsubventionen an, was die Benzinpreise für die ohnehin bereits geprellte Bevölkerung in die Höhe treibt, während der Chefdesigner von Apple zum Ritter geschlagen wird, dafür, dass er mit aller Kraft immer dafür gefochten hat, dass über Telefone und Computer wohl demnächst auch in der Suchtprävention gesprochen werden muss. Europa hat einen der letzten seiner chauvinistischen Diktatoren verloren und streitet sich darum, wer denn nun immer schon für den Atomausstieg war und wer schuld ist, dass man ihn noch nicht geschafft hat, während Afrika einfach einen weiteren chauvinistischen Diktatoren verloren hat und sich den Atomausstieg nicht leisten kann. Google+ als Rohrkrepierer hat gezeigt, dass ein allmächtiger Konzern zwar fast alles darf, aber deswegen noch lange nicht alles kann. Und derselbe Konzern verzichtet in der Folge nun auch darauf, die Welt zu retten und wirft RE<C, die Strategie, die zum Ziel hatte, weltweit erneuerbare Energien günstiger als fossile Brennstoffe zu machen, als Luxusproblem vor die Hunde. Der Tsunami in Japan hat nicht nur zur Beschleunigung der Energiewende geführt sondern hat Hunderttausenden die Möglichkeit gegeben, ihr Gewissen durch Spenden rein zu kaufen, die nun dafür verwendet werden, private Sicherheitsflotten für Walfänger zu finanzieren. Ach ja, und ferner liefen: der Irak-Krieg ist offiziell beendet, was auch nur heisst, dass ein weiteres Land nach seiner Befreiung durch die USA zerstört auf der Strecke liegen bleibt nachdem Saddam Hussein, ursprünglich Protégé und Vorzeigekämpfer gegen den Iran, urplötzlich begann, unabhängig zu handeln, genau wie Bin Laden, der seinerseits für die USA gegen Russland gekämpft hatte und nun ebenfalls zur Strecke gebracht ist, was die USA sofort vor das Problem stellt, wovor man fortan Angst haben soll um nicht über die 9% Arbeitslosen nachdenken zu müssen. Und die Weltbevölkerung zählt nun 7 Milliarden Menschen, von denen 1% das Kapital besitzen.

Für weniger als 50% der Weltbevölkerung hat ein neues Jahr begonnen, für diejenige Leitkultur, die sich in den letzten Zügen befindet. Die völlig verfettet der allgemeinen Angstmache vor dem Fernseher erliegt, während der Rest entweder urplötzlich wieder an einen Gott glaubt und sein sauer Erspartes dubiosen Religionsgemeinschaften anvertraut oder in Massengelagen und Sexorgien frisst und bumst als gäbe es kein Morgen. Die Wirtschaftskrise kommt nach allgemeinen Angaben erst noch, nachdem sie bereits wie die Schwarze Pest um sich geschlagen hat und Köpfe hat rollen lassen. Und, nach den wunderschönen Worten Michael Mittermeiers, irgendwo im Schwarzwald furzt ein Eichhörnchen. Und wird prompt an den Pranger gestellt, weil es mithilft, die Ozonschicht zu zerstören.

John Lennon sang 1972: And so this is Christmas, and what have we done? Another year over, and a new year just begun. Der Song hat nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Nun denn.


Make Believe

December 9, 2011

Im weihnachtlich geschmückten Elektronikkonsumtempel zwischen stapelweise Billigdruckern und Nochbilligerbeliebigkram fällt er mir mal wieder auf: der Slogan, den Sony uns irgendwann mal untergeschoben hat. Eine freche Stilblüte der ganz besonderen Art: make.believe. Heisst: So tun als ob, weismachen, Vorgaukelung. Also Scharlatanerie. Wenn wir nicht alle bereits wüssten, dass Geräte so gebaut werden, dass sie ganz sicher in spätestens zwei Jahren kaputt sind (oder spätestens genau einen Tag nachdem die Garantie abgelaufen ist) und dass die Verpackung mittlerweile mehr zählt als der Inhalt, dann wäre dieser Slogan ja direkt subtil. Aber so! Sich hinzustellen und mit impertinentem Grinsen von Ohr zu Ohr zu verkünden: wir erzählen euch Lügen! Und wir sind stolz drauf! Denn ihr merkt das zwar, aber es funktioniert trotzdem! Halali! Ein Meisterstück. Bravo!


Zeit der Liebe

December 7, 2011

Es weihnachtet wieder allenthalben. Und zwar aus vollen Rohren, mit Pauken und Trompeten. Die Liebe wird ganz gross geschrieben. Man sitzt zusammen und bäckt und dekoriert und packt ein, was das Zeug hält. Warmer Kerzenschein und heiliges Lächeln leuchtet auf allen Gesichtern. Und alles ist toll und wunderschön und glitzernd und üppig. Die Zeit der Nächstenliebe ist ausgebrochen.

Und die Polizei bereitet sich auf die traditionellen Familiendramen unter den Weihnachtsbäumen vor, wie die Feuerwehr auf die Weihnachtsbrände. Eben noch rosabebrillt glücklich Liebende laufen emotional Amok. Angesichts der Wirtschaftslage werfen sich die Chefs vor die Züge. Die Schokoladenikoläuser in den Supermärkten warten darauf, schon bald in Osterhasen umgeschmolzen zu werden. Der Konsum besinnt sich nicht und kennt keine Krise, im Gegenteil: shoppen gegen die kosmische Grundparanoia ist angesagt. Und so hetzen die, die nicht im Kerzenschein beieinander sitzen, fluchend durch die Innenstadt auf der Suche nach den letzten Geschenken und die, die schon alles beisammen haben, warten sehnlich auf die Schnäppchenjagd im Januar.

Alas, eine schöne Zeit. Hallelujah miteinander.


Ausschreibung des Eidgenössischen Wettbewerbs für Design des Bundesamts für Kultur

December 5, 2011

DesignerInnen aufgepasst: Seit dem 1. Dezember 2011 und bis zum 10. Januar 2012 können Projekte und Werke beim Eidgenössischen Wettbewerb für Design eingegeben werden. Also zeigt, was ihr könnt!

http://www.bak.admin.ch/themen/kulturfoerderung/00482/00483/00441/index.html?lang=de


Writeronart sourct Texterkonzepter aus.

November 16, 2011

Brandneu und frisch ab Presse: die Webseite texterkonzepter.com. Sozusagen als Impressum von Writer On Art. Damit hier nicht Angebote und Referenzen publiziert werden müssen. Die gibt’s nämlich neu auf texterkonzepter. Und Writer On Art kann sich auf die Aufgaben als Plattform, Informationstool und Texterspielwiese konzentrieren. Und anlässlich dieser Veränderung auch gleich mit einem Grinsen auf den Stockzähnen einen haarsträubenden Neugermanismus in einer Titelzeile verwenden.


Offene Ausschreibung für Jung-Produktdesigner – WoodAward 2012

November 7, 2011

Der Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten schreibt den WoodAward 2012 aus. Einsendeschluss ist der 1. Februar 2012. Es ist kein Thema vorgegeben und die Teilnahme ist gratis. Also los!

Nähere Info gibt’s auf http://www.wood-award.ch/


Stellwerk Basel macht Schule: Offene Ausschreibung zur Logoentwicklung für das Gründerzentrum in der ehemaligen Schweinemarkthalle in Karlsruhe

November 2, 2011

Nicht nur im Stellwerk Basel, auch in Karlsruhe wird an der Umnutzung für die Kreativwirtschaft gearbeitet. In der ehemaligen Schweinemarkthalle sollen Ateliers und Geschäftsräume für die Kultur- und Kreativwirtschaft entstehen, mit dem Ziel, den Kreativwirtschaftsstandort Karlsruhe zu fördern.

Eine internationale Ausschreibung fordert Studierende und junge Absolventen der Fachrichtungen Fachbereiche Kunst, Design und Architektur auf, im Rahmen eines Ideenwettbewerbs ein Logo sowie einen Namen zu entwerfen.

-> Alle Informationen zum Wettbewerb


Saint Steve: der Heiland der digitalen Neuzeit.

October 6, 2011

ER ist von uns gegangen. Und gleich quellen alle Social Media Plattformen über mit Statements von Jüngern. Die Testimonials in der BBC überschlagen sich gegenseitig. Das soll so sein, Steve Jobs ist eine der schillerndsten Figuren unserer Zeit. Ist. Weil eine Figur. Die bleibt.

Irgendwo in google+ wurde S.J. mit Leonardo da Vinci verglichen. Das finde ich dann doch etwas verfehlt. Steve Jobs hat die ganzen Gimmicks nicht erfunden. S.J. war ein Verkäufer. Einer mit dem ganz grossen Charisma und dem Nimbus des unerreichbaren, legendären, dafür hat er zu Lebzeiten auch immer gesorgt. Ein schwarzer Pulli und eine Jeans pro Tag. Immer dieselben. Immer fabrikneu. Weil er gewaschene Kleider nicht anziehen mochte. Sagt man. Und irgendwer wird das Gerücht genährt haben.

Ein paar ganz findige Kultkonzepte hat er sich aus dem Ärmel geschüttelt. Beispielsweise den Midnight Sale. Obschon er den nicht erfunden hat. Das waren angeblich die Damen und Herren von Carlsen anlässlich der Vermarktung von Harry Potter. Also nur geschickt erkannt und wiederverwertet.

Montiert hat er seine Geräte auch nicht. Das machen immer noch die Fronarbeiter von Foxconn, die sich dabei auch gleich reihenweise selbst umbringen, weil sie angeschrien und geschlagen werden. Aber shiny new iPhone hat sich dafür nie interessiert. Und shiny ol’ Steve offensichtlich auch nicht besonders.

Die Apple-Ideologie wurde zur Bibel. Der Mac zur Kirche. Cupertino zum Vatikan. Das iPhone zum sakralen Medium. Und Steve Jobs zu Jesus Christus. Denn wenn er eines geschafft hat, dann war es dies: die Gründung einer fast religiösen Bewegung. Die Erfindung der ideologischen Superdroge: nimmst du es einmal, willst du nie mehr ohne. Als Christus der digitalen Neuzeit wird er in die Geschichte eingehen. Und ob man nun Christus mag oder Apple oder nicht – den Platz hat er verdient. Denn mindestens Eines in seiner Lehre zeugt von der positiven Kraft: Lebe nie das Leben eines anderen. Mach was du willst, mach was du für richtig hältst, und mach es richtig. Nur, dass, wie bei den meisten Religionen, seine Jüngerinnen und Jünger das wieder einmal komplett falsch verstanden haben und sich mit der Individualität eines Massenprodukts identifizierten. Und sich dadurch abhoben, dass sie der Masse folgten. Aber, hey, das muss man bestimmt nicht Steve Jobs vorwerfen. Er hat immer bloss die Möglichkeiten ausgeschöpft.


Augenblick – für Dich

October 4, 2011

In diesen Augen, in diesem Wesen vereint sich alles, alles was immer da war, alles was immer kommen mag, alles was wartete, auf diesen Augenblick, auf dieser Augen Blick, hier und jetzt ist nur noch das Hier und Jetzt und darum herum verschwindet die Welt, wird ersetzt durch die Gesetze des Einsseins, es gibt mich nicht mehr, und es gibt dich nicht mehr, es gibt nur noch alles, alles ist, alles ist in diesem einen Moment, und alles ist Eins.

Irgendwo, ganz leise, mahnt der Kopf das Herz Vorsicht, doch das Rauschen der Energie ist betäubend undurchdringlich alleinnehmend und sowieso: Vorsicht vor der Vorsicht, den vor der Sicht sieht man viel weniger als während. Während-Sicht, Ein-Sicht zählt, Eins-Sicht, denn selbst die Nach-Sicht ist nur noch Abklatsch, Ablass, Vergangenheitsbewältigung. Die Supernova des Präsens, Verglühen und Raum schaffen für alles Neue, alles Erneuernde, ein immer wiederkehrendes Wiederkehren als Phönix, spontane Selbstentzündung zu zweit als ein Einzelnes, doch keine Asche bleibt zurück, nur das Undenkbare, Unvorstellbare, die Unendlichkeit des Seins, ohne Gedanken, ohne Nachdenken, schwindelerregend leicht. Und da wagt die Wissenschaft zu behaupten, der Mensch könne nicht fliegen.

 

-> Mehr Lesen


Die unerträgliche Borniertheit des Herrn S.

October 3, 2011

Herr Somm, ich mag nicht mit Ihnen über die sogenannten “Krawalle” diskutieren. Man kann darüber denken, was man will. Wo die Gründe liegen, die wirklichen, worauf die Probleme dieser Generation fussen, das würden Sie wohl nicht verstehen wollen. Denn Ihr Urteil ist gemacht, und davon lassen Sie sich vor dem Hintergrund Ihrer schwarzweissroten politischen Gesinnung auch nicht abbringen. Ganz getreu der Plakatkampagne Ihrer Zeitung: “Steigern Sie das Niveau Ihrer Vorurteile”. Schön wäre es, wenn Ihre Leser dazu animiert würden, Vorurteile abzubauen. Nicht, Ihre Vorurteile zu übernehmen. Aber das ist ein anderes Thema. Übrigens, ja, ich bin mir bewusst, dass Sie nur “SVP-nahe” sind. Ich erlaube mir trotzdem, die SVP als “Ihre” Partei zu bezeichnen. Das werden Sie verstehen.

Auffällig ist, welches Bild Sie in Ihrer Stellungnahme zeichnen. Es gibt keinen Krieg mehr in der Schweiz – wollen Sie wirklich einen Krieg, damit es der Jugend nicht mehr langweilig ist? Weil Sie ausserdem nicht in Dialog treten wollen, denken Sie auch, dass man heute bis 35 zuhause lebt. Herr Somm, das gilt vielleicht für Wähler Ihrer Partei. Aber ansonsten ist es lediglich ein Vorurteil. Und notabene keines auf hohem Niveau.

Wurden Sie in den 80ern enterbt? Wären Sie gerne enterbt worden? Würden Sie Ihre Kinder enterben? Und denken Sie wirklich, Widerstand würde den Widerstand aufheben? So einfach ist das, repressiv durchgreifen und das Problem ist gelöst? Wo leben Sie?

Herr Somm, es ist Wahlkampf, das ist mir bewusst. Und Sie betreiben Propaganda. Ganz im Stil Ihrer Partei (derjenigen, der Sie nur “nahe” sind). Seit Sie die Diktatur bei der BaZ angetreten haben, haben Sie schrittweise alle Freidenker entweder entlassen oder diese sind selbst gegangen. Jeden Tag erwarte ich, wenn ich die BaZ am Kiosk von weitem sehe, eine Titelseite mit der neusten Xenophobiekampagne in Cartoonstil. 14’000 Leser sind seit Ihrem Amtsantritt verloren gegangen. All dies entspricht wohl Ihrem grossen Plan.

Aber denken Sie nicht, dass diese Übernahme der Massenmedien und diese Neubespielung derselben mit hetzerischen und angstverbreitenden Vorurteilskampagnen in den Köpfen nicht mehr mit der durchaus wirksamen Propaganda im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs verbunden wird, dem Sie ja in Ihrem Artikel nachtrauern. Wenigstens nicht bei denen, die nicht mehr zu Ihren Schreibern und Lesern gehören, weil sie noch imstande sind, selbst zu denken. Wehret den Anfängen.


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