Die Angewohnheit, Körper und Geist als zwei getrennte Einheiten anzusehen, ist kulturell bedingt. Das stammt von einer generellen Weise, die Dinge zu betrachten. Gut oder Böse, Himmel oder Hölle, Schuld oder Sühne, Stones oder Beatles, Basel oder Zürich – ich schweife ab. Was bleibt: abendländischer Bipolaritätswahn. Wir haben es nicht anders gelernt, wir können es nicht anders, es gibt immer das Eine oder das Andere und beide sind voneinander getrennt.
Deswegen tut sich die Schulmedizin auch schwer, Psychosomatik anzuerkennen. Weil es schwierig ist, das Geistige zu diagnostizieren. Vor allem dann, wenn körperliche Symptome die freie Sicht auf den Geist verstellen. Würden wir erkennen, dass zwischen Geist und Körper kein Unterschied ist, dann wären wir einen grossen Schritt weiter. Immerhin gibt es den Körper ohne den Geist nicht (ausser in ganz wenigen Fällen, die dann beispielsweise bei big brother auftreten, ich scherze), und umgekehrt auch nicht, und genausowenig kann der Himmel ohne die Hölle existieren, das Gut ohne das Böse.
In Zeiten des Strebens nach Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit sollten wir also möglicherweise bei uns selbst anfangen. Und beginnen, uns ganzheitlicher zu betrachten. Wenn es keinen Unterschied zwischen Geist und Körper gibt, was liegt dann näher, als bei körperlichen Problemen die Antwort beim Motor, beim Geist zu suchen? Vor allem, wenn wir ja sogar wissen, dass andere Kulturen dies mit Erfolg und schon lange tun? Doch das Einzige, was uns einfällt, wenn wir hören, dass ein Mensch von einem für uns unheilbaren Leiden durch Meditation, durch fernöstliche Heilpraktiken, durch Zauberei, was immer man will, befreit wurde, ist, hinzugehen und die “Scharlatane” zu entlarven, mit stolzgeschwellter Brust, weil wir doch die Klügeren sind. Und dabei ganz vergessen, dass die Therapie tatsächlich geholfen hat.
Nicht ohne Grund nennt man die Klassiker aus Teil III gerne auch mal Zivilisationskrankheiten. Das hat nichts damit zu tun, dass wir zivilisierter sein sollen als andere Gesellschaften, bei welchen diese Krankheiten nicht auftreten (und die gibt es). Sondern damit, dass unsere Ausprägung der Zivilisation sich verrannt hat, in die Wissenschaft, in die Bipolarität, in die Bigotterie. Und damit – wenn man “zivilisiert” dann schon komparativ verwenden will – müsste man sich fragen: wer ist denn weiter? Die, in deren Weltbild Geistheilung keinen Platz hat, oder die, die damit Erfolge erzielen?
>> Psychosomatik für Fortgeschrittene I
Posted by istwasesist 









