August 7, 2007

Und immer noch strecken sie die Arme gegen den Himmel und erwarten, dass einer ihnen gibt was sie verdienen, mit den Augen in den Wolken, mit den Gedanken in den Sternen vergessen sie, wo ihre Füsse stehen und können sie nicht mehr bewegen, nicht einmal mehr auf der Stelle können sie treten, denn an ihre Stelle tritt die leere Hülle des unerfüllten Versprechens.

Alles Andere, die wir bezichtigen, alle andern, die wir mit Worten vernichten, ohne zu wissen oder um zu vergessen was die richtigen, die wichtigen, die kleinen Dinge unseres Lebens sind, weil wir vermessen annehmen wir kennen sie genau, diese Anderen, die doch nur sich selbst sind, die doch nur wir selbst sind.


Pferdestärke

August 4, 2007

Und wieder der Rhein: man muss sich mal vorstellen, der Rhein ohne Wasser, als ausgeebneter Kanal mit griffigem Geläuf nach bester Circus Maximus-Manier, ohne allen Schlick und Fahrräder und Gummireifen die da unten jetzt sein mögen, nur weisser feiner Kies, und darauf dreihundert Reihen von jeweils hundert Pferden, alle am selben Geschirr, am selben Strang ziehen sie einen tonnenschweren Kubus aus schwarzem Metall durch den Kanal…

Das ist die Kraft, mit der sich die Rheinfrachter gegen die Strömung des Flusses stemmen, wenn sie aufwärts nach Rheinfelden stampfen, jeden Tag.


die dunkle seite

July 31, 2007

wie man sich manchmal hingezogen fühlt zu einer anderen seite des eigenen, zum unausgesprochenen undenkbaren, das wie die erinnerung an einen traum hin und wieder flüchtig durch das denken zieht, am denken vorbei aber nicht weit genug, um es nicht zu streifen

und wenn es in einem moment so klar noch ist, dass es einem eine gänsehaut durch den körper schickt, ist es bei näherem betrachten verflüchtigt, verschwommen, zerflossen, wie mit tinte auf ein fliesspapier geschrieben, wenn die worte zu blauen flecken werden und das unheilvolle, das, worüber man nachzudenken versucht hat, nur noch versteckt aus diesen flecken spricht und so leise, dass es nur derjenige hört, der es geschrieben hat

manchmal gibt es menschen, die ihre eigenen flecken noch lange zeit später lesen können. und manchmal gibt es menschen, die die flecken anderer menschen lesen können. macht sie das zu guten oder zu schlechten menschen, die einen oder die anderen? ich traue den guten menschen nicht und ich glaube nicht den schlechten


July 23, 2007

Wenn Engel weinen
dann fällt Regen
in die Herzen der Menschen
und zeigt ihnen den Weg
zurück in den Himmel


basel

July 23, 2007

Der Rücken an der weissen heissen Mauer, Stimmengewirr ohne Gesichter von Flanierenden, von Geniessenden, die nichts anderes tun als sich an der Ruhe des Moments satt zu trinken. Wolkenberge auf kühlem Blau über den verschachtelten Häuserzeilen des Grossen Basel, hunderte von Häuseraugen, die argwöhnisch wie Schiessscharten auf die andere Seite blicken die sie nicht kennen, nicht zu kennen wagen. Die uralte Mittlere Brücke, ein Wahrzeichen, ein Wahrmal, ein Warmal, ein Warnmal, noch gar nicht so lange ganz aus Stein um die Absicht zu vertuschen, die Brücke und das Kleine Basel zum Wohl des Grossen zu opfern, wenn die Absicht auch immer noch gut versteckt als Sprengladung im weissen Gemäuer der Brücke sitzt…

Und dazwischen, darunter, der geduldige Rhein, der mit sich führt was er ausgewaschen hat auf seinem Weg, mit sich führt was ihm ausgelassen überlassen worden ist und mit sich nimmt was, zwischen den Fronten zweier Basel gestrandet, keinen Einlass mehr findet.

Hin und wieder der Geruch von leichter nasser Fäulnis, wie eines Hafens irgendwo im Süden Europas, nur dass auch diese Fäulnis noch sauber riecht, und dann fällt es wieder auf, dass die menschliche Nase die Gerüche der Natur gar nicht ertragen kann, nur das Wohlriechende, Schöne, aber nicht das Verwesende, das Gewesene, das doch das Leben erst ausmacht…

Der Rhein sieht heute aus wie ein gigantischer Bergbach, milchiges Grün, das rasch und reissend an den Brückenpfeilern nagt, die tiefroten Sichtbalken der wenigen übriggebliebenen Fachwerkbauten am Ufer unter einem Michelangelohimmel machen den Eindruck eines Sommermorgens in den Schweizer Bergen. Im Grunde ist die ganze Schweiz, auch das Flachland, durchtränkt, angesteckt, geschwängert vom Geist der Alpen, aus denen sie sich ergiesst.


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