Ende März. Folge Vier der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

March 31, 2012

Männliche Fruchtfliegen trinken Alkohol wenn sie keinen Sex kriegen. Und in England steigen derweil die Todesfälle aufgrund von Leberschäden. Bei denjenigen Todesfällen, die ihre Ursache in schwerem Alkoholismus haben, gehören zu den Opfern vorwiegend Männer. Keine weiteren Fragen. Allerdings weiss eine Studie, dass in Hungerzeiten mehr Frauen zur Welt kommen. Und schliesst daraus, dass Frauen wohl genügsamer sind. Eher wahrscheinlich finde ich, dass in Krisenzeiten Frauen wohl einfach der bessere evolutionäre Wetteinsatz sind, wenn es um Arterhaltung geht. Wobei dann wiederum Polygynie, zumindest aus darwinistischer Sicht, durchaus salonfähig wird, und nicht nur das: überlebenswichtig. Hungern gegen Alkoholismus?

Hingegen hat die Medizin nun herausgefunden, warum die Elektroschocks, die in der Therapie von Depressionen seit mehr als einem halben Jahrhundert eingesetzt werden, eigentlich wirken. Und das macht Lust auf Ersatztherapien, die nicht ganz so heftig sind. Unter anderem hoch im Kurs: Psilocybin. Überhaupt fällt auf, dass Drogen in der Medizin immer mehr Stellenwert erhalten. Anfang März war’s LSD gegen Alkoholismus. Obwohl wir ja nun wissen, dass mehr Sex dort vielleicht auch helfen könnte. Und nun Pilze gegen Depressionen. Vielleicht könnte man doch auch wieder Opium gegen ADHS einsetzen? Das half früher gegen Neurasthenie ganz fabelhaft. Und im übrigen ebenfalls gegen Depression. Obwohl – auch Ritalin wird ja bereits als Droge gehandelt. Da muss man dann vielleicht gar nicht weitersuchen. Zu Depression machen sich auch die Finnen Gedanken. Die haben in einer Studie herausgefunden, dass Menschen, die alleine leben, öfter Depressionen haben. Das ist ja nun mal wieder eine unglaublich bahnbrechende Einsicht. Und bringt mich auf den Gedanken, dass sich gerade in Finnland nun ganz neue Wege anbieten, im Rundumschlag alle Probleme in den Griff zu kriegen: Swinger-WGs mit Drogenexzessparties und integrierter Botoxbehandlung wären DIE Lösung für Alkoholismus und Depression.

Täglich ein Aspirin beugt Krebs vor, weiss eine Studie zu berichten. Und fördert ganz nebenbei das gepflegte Magengeschwür. Denn in den ersten Jahren ist das Risiko von inneren Blutungen stark erhöht. Heisst also im Klartext: Wer nach den ersten fünf Jahren der Therapie nicht an inneren Blutungen stirbt, wird dafür später weniger Krebs haben. Was ist denn das nun wieder für ein Mumpitz? Braucht Bayer eine Finanzspritze? Man hätte sich doch einfach wieder eine Schweinegrippe ausdenken können. Das half damals Roche ganz gut über die Krise hinweg. Und nach den Trends der letzten Nachrichten frage ich mich, ob’s denn vielleicht nicht was gegen Krebs gibt, was den Magen schont und dabei auch noch lustige Halluzinationen auslöst? Dann wär der Cocktail eigentlich perfekt.

Ganz grundsätzlich allerdings: ein bisschen Dreck in der Kindheit schadet nicht. Schön dass das endlich seinen Weg in die öffentliche Meinung findet. Dass Allergien und andere Zivilisationskrankheiten erst mit der Erfindung der Schmutz- und Keimparanoia aufgetreten sind, hätte man allerdings auch schon früher merken können.

Internationaler Tag des Wassers war auch. Und in diesem Zuge gab’s auch einige Gipfel. Wo man darüber diskutierte, dass jedes Jahr 3.5 Millionen Menschen sterben wegen schlechter Wasserqualität. Das Thema Wasser sei zwar stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Allerdings stünden teilweise wichtige Informationen nicht zur Verfügung. Fragt doch mal Nestlé. Oder macht dort eine Hausdurchsuchung wie bei Blocher. Aber versucht dann bitte, die Durchsuchung nicht vorher anzukündigen. Die macht dann nämlich nur noch halb so viel Spass.

Neues gibt’s auch bei Apple. Die eröffnen Pläne, Geld loszuwerden. Nicht etwa um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die seien ja gar nicht so schlecht, denn was darüber gesagt wird sei ja Gott sei Dank alles gelogen. Nein, man will damit die eigenen Aktien zurück. Vorerst. Blöderweise machen die letzten Meldungen dem Ganzen nun vielleicht doch einen kleinen Strich durch die Rechnung. Denn die Untersuchung bei Foxconn wurde endlich veröffentlicht. Und die zeigt, dass eben alles doch nicht ganz so gelogen ist. Um die Arbeitsbedingungen immerhin so weit anzupassen, dass Apple nicht komplett das Gesicht verliert, müssten Tausende neue Arbeiter angestellt werden. Vielleicht finden die 96 Milliarden in Cash nun doch einen Abnehmer. Freuen wir uns aber nicht zu früh: Sobald die Medien das Interesse verloren haben, wird sich auch niemand mehr darum kümmern, was bei Foxconn abgeht. Oder das iPhone 5 wird einfach deutlich teurer. Und nicht vergessen: die Ergebnisse der Studie sind, aller Brisanz zum Trotz, bloss, Empfehlungen.

Um Arbeitsbedingungen geht’s wohl auch bei H&M. Die hatten ein Rekordquartal, welches nur dadurch gebremst wurde, dass Mehrkosten entstanden, die nicht an die Kundschaft weiter gegeben wurden. Und wenn irgendwo in der Wertschöpfungskette auch nur ein Glied korrekt bezahlt würde, könnte man wohl gleich den ganzen Laden schliessen.

Dass in der Nordsee bei Total ein Gasleck entdeckt wurde, von dem man anfangs annahm, dass die Behebung Tage oder Wochen dauert war eher eine Nachricht aus der Kategorie Ferner liefen. Dass man mittlerweile die Dauer der Katastrophe auf ein halbes Jahr hochkorrigiert, wird zur medialen Gewohnheit. Das machte auch BP im Golf von Mexico. Und Japan in Fukushima. Mich wundert, dass die Welt den ersten Schätzungen immer noch glaubt. Nun, nein, eigentlich wundert es mich nicht. Neu ist aber, in solchen Fällen darauf zu bauen, dass sich die Probleme von selbst lösen. Na, das ist doch eine schöne Welt, oder?

Streichelkurs gilt auch für die Schätzung von US-Katastrophenschutzexperten zu einem Atomangriff auf Washington. Ob bei einem Selbigen wohl tatsächlich lediglich 45’000 Menschen sterben würden? Schön hingegen ist die Aussage, dass ein solcher Atomangriff “nicht das Ende der Welt” bedeuten würde. Nein, wohl nicht. Das sind bloss die USA. Ein Schwellenland mit nurmehr künstlich aufgeblähter Brust, auf der ein etwas verwaschener Coca Cola-Schriftzug prangt. Vielleicht würde man danach herausfinden, dass die Welt auch ohne Anführer frei ist. Oder einfach genauso frei wie bisher. Viel eher zum Ende der Welt würde wohl der geplante Angriff von Israel gegen den Iran führen. Obwohl man mittlerweile nicht mehr so sicher ist, ob ein solcher Angriff die Atomwaffenproduktion stoppen würde. Meine Meinung: Stoppen würde er ihn ganz sicher nicht. Höchstens zurückwerfen. Und dem Iran ganz deutlich signalisieren, dass man im Eilzugtempo die Produktion wieder aufnehmen muss, um sich gegen Israel zu wehren. Weil die eine substantielle Bedrohung darstellen. Tja. So entstehen Weltkriege. Angst. Gegenangst. Das kennen wir aus dem Tierreich, nicht?


Der Februar. Eine weitere Folge der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

February 25, 2012

Irgendwie scheint mir die Welt immer absurder zu werden. Vielleicht ist das ein Wahrnehmungsproblem. Aber möglicherweise ist sogar was dran. Wir werden sehen. Was war im Februar?

Meine Lieblingsheadline: Fünf Orcas klagen SeaWorld der Sklaverei an. Ob sie die Anklage selbst unterschrieben haben, weiss man nicht so genau. Und ob als Richter ein Pavian eingesetzt wird, darüber schweigt BBC. Aber demnächst wird wohl der Weltverband der roten Thunfische Japan des Genozids beschuldigen. Wenn er Recht bekommt, wird man ihm, einem Volk, das weitgehend in der maritimen Diaspora lebt, einen Heimatstaat zuweisen, vielleicht im Pazifik. Wo die Thunfische sofort beginnen werden, ihrerseits den Genozid an allen Nachbarvölkern anzustreben. Angesichts der geschichtlichen Ereignisse wird man das tolerieren und auch Easyjet wird bald Flüge dahin anbieten. Doch wahrscheinlicher ist, dass sie den Gerichtsfall verlieren, da Japan mit dem übrig gebliebenen Geld aus der weltweiten Fukushima-Spendenaktion die besseren Anwälte bezahlen können wird.

Wenn wir schon beim Thema Sklaverei sind: In Mittelamerika rätselt man über das Nierenversagen von Tausenden von Arbeitern in den Zuckerrohrplantagen, die Tag für Tag ohne Schutzmaske Pestiziden und Herbiziden ausgesetzt sind. Mein Vorschlag: fragt doch mal Monsanto. Die wissen sicher was. Oder vielleicht weiss man bei Nestlé Rat? Deren Ergebnis war besser als erwartet. Dies vor allem durch den Marktzuwachs in Schwellenländern. Der Verkauf von Wasser ist eben einfach krisenresistent.  Darüber könnte man eigentlich vergessen, dass 500 Millionen Kinder auf der Welt unterernährt sind. Oder dass ein neuer Damm in Brasilien ganze Völker ihres Lebensraums und ihrer Existenz berauben wird. Vielleicht kann man sich jetzt schnell hinter die Ohren schreiben, was man diesen Menschen antut, damit man dann später nicht so überrascht sein muss, wenn sich das Blatt gegen einen wendet. Und vielleicht lesen wir dann vielleicht nicht in den Medien, dass beispielsweise in Kolumbien bereits zwei Attacken gegen Polizisten gegeben hat. Zwei. Hat in den ganzen Jahrzehnten des Bürgerkriegs wirklich niemand mitgezählt?

Derweil wundert man sich, dass die libyschen Rebellen eine Gefahr für die Stabilität sind. Na, was dachtet ihr denn? Rebellen bewaffnen, die Regierung stürzen lassen und dann ist alles gut? Das hat ja immer schon hervorragend funktioniert. Eben zum Beispiel in Kolumbien. In Afghanistan. Oder im Irak. Dürfen ganze Staaten eigentlich so dermassen naiv sein?

Weil das aber offenbar doch ein Grund zur Sorge ist, stockt die Schweizer Armee das Budget auf. Ich gehe einmal davon aus, dass das geschieht, um die Staatskasse der USA zu retten, weil auch die Schweiz sich nun an den multinationalen Kriegen beteiligen kann. Und wohl brauchen wir auch deswegen neue Kampfflugzeuge. Obschon angesichts der Sinnlosigkeit dieses Kaufs die Frage aufkommt, ob wir es hier nicht mit einem Wulff im Maurerpelz zu tun haben.

Dafür lässt Apple nun die Fabriken untersuchen, wo ihre Produkte gefertigt werden. Es bestünde Verdacht auf menschenunwürdige Bedingungen. Ich könnte schwören, das wurde bereits untersucht und publiziert. Und zwar im Januar. Soviel zum Thema “Und was unternehmen wir jetzt?”. Während dessen ist publik geworden, dass Social Apps Kontaktdaten speichern: Twitter hat zugegeben, dass das Adressbuch eines Benutzers in einer Datenbank gespeichert wird, wenn er das Feature “Find friends on Twitter” verwendet  und akzeptiert, dass Twitter damit Zugriff auf das Adressbuch hat. Das ist doch mal wirklich eine Überraschung! Social Media Plattformen sind interessiert an Userdaten? Wirklich?? Na, wo kommen wir denn da hin! Demnächst finden die heraus, dass Facebook mit Daten Geld verdienen, indem sie benutzerdefinierte Werbung verkaufen, man stelle sich das vor!

An anderer Front wird’s noch viel gläserner: Die Wissenschaft kann nun Gedanken lesen. Und Ersatzteile für Menschen lassen sich ganz einfach ausdrucken. Solche Geschichten hatten wir doch schon mal. Damals nannte man die aber Science Fiction und keiner wollte so recht daran glauben.

Übrigens ist nun ausserdem klar, dass Botox möglicherweise doch nicht so gut gegen Migräne ist wie man anfänglich angenommen hatte. Diejenigen, denen Botox ursprünglich geholfen hatte, sollten sich vielleicht Gedanken machen, warum ihnen ein paar Fältchen im Gesicht so viel Sorgen machen, dass sie ein psychosomatisches Leiden entwickeln. Einfach mal andersrum ansehen, die Dinge. Kann helfen. Aber Vorsicht: gesunder Menschenverstand ist eine mögliche Nebenwirkung.

Wenn man noch keine Migräne hat, dann sollte man sich mindestens darauf achten, herumzurennen. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Menschen, die langsam gehen, wahrscheinlich im Alter dement werden. Soll man nun im Allgemeinen schneller gehen? Mehr Stress im Alltag! Lieber Burnout als dement, oder? Da muss man doch auf jeden Fall schauen, dass man gut krankenversichert ist. Wenn man damit kein religiöses Problem hat. Denn das ist grad ein brennendes Thema in den USA, wo tausende fanatische Gottgläubige sich nicht mehr versichern lassen können, weil die Krankenkassen nun Verhütung bezahlen. Ja bravo!

Zu guter Letzt gibt es Neuigkeiten aus der deutschen Sprache: Ein Slogan hat sich zum Präzedenzfall entwickelt. Oder zumindest zum Symptom. Ich spreche nicht von Schlecker. Sondern von der Sprachverarmung “So muss Elektronik” von Saturn, die offensichtlich einen sprachlichen Erdrutsch einläutet. Die neuste Ausgeburt televisierter Idiotie: “Ich kann Kanzler“. Und gleich anschliessend im selben Werbeblock: “Wer traut sich jetzt noch Präsident?“. Nun, wenn es mit der deutschen Politik so weit wie mit der deutschen Sprache ist, kann jeder Kanzler, und jeder dürfte sich Präsident trauen. Meine Meinung. Das ist SMS-Generation. Das ist Zeitgeistdeutsch. Bin ich anachronistisch wenn ich mich ob der Verrohung des Weltgeschehens nicht mal mehr an den Kopf fasse?

In diesem Sinne: mich spannt März. Einen schönen Monat wünsche ich!


Was war im Januar? – Eine höchst selektive Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

January 27, 2012

Tja, was war? Sturm Andrea war. Und so schlimm war die gar nicht. Nicht, dass der Name besagen sollte, dass der Sturm besonders schlimm sei. Übrigens heissen die auch gar nicht alle wie Frauen. Tatsächlich liefen verschiedene Frauenverbände 1998 Sturm und erreichten in ihrer Höchstgeschwindigkeit, dass fortan alle Jahre zwischen Männern und Frauen gewechselt wurde. Deswegen gibt’s jetzt auch Lothare. Und Joachims.

Ein Sturm geht auch durch das Internet. Kim Dotcom erhält für’s Onlinestellen von Filmen eine höhere Strafe als Mörder und Vergewaltiger. Die Musik von Michael Jackson gratis zur Verfügung zu stellen ist offensichtlich ein viel schwerwiegenderes Verbrechen als denselben umzubringen. Derweil kommt man gegen Vorweisen eines iPads über die Grenze, während aber beispielsweise der alte Schweizer Pass schon längst nicht mehr genügt. Und der Hersteller dieser neuen Identifizierungsmöglichkeit hat tatsächlich eine Untersuchung durchgeführt, die zum Ergebnis kommt, dass das, was die ganze Welt schon lang wusste, tatsächlich wahr ist: menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in fast allen Betrieben, die Apple beliefern. Konsequenzen? Och, nee, lass mal. Aber ja, wir arbeiten daran. Wir haben’s doch erst grad rausgefunden.

Und derweil zieht uns Google mit neuer Privacy Policy den letzten Rest Selbstbestimmung aus der Tasche. Was allerdings auch Vorteile haben kann: wenn man sich nicht ganz genau aussucht, welche Freunde man auf Google+ hat, wird man demnächst in der Suchmaschine nur noch mit total herzigen Bildern von Katzen und Hunden beliefert. Eigentlich kann man künftig bei Google nur noch anständige Suchresultate erhalten, wenn man eben nicht bei Google+ ist. Way to go. Doch das ist auch nicht alles: Google ist nun nicht mehr nur Informationsverteiler, sondern beginnt sie nun auch selbst zu erschaffen, in der neuen Google Education. Wir werden also demnächst vielleicht von Kind auf getrimmt, dafür zu sorgen, dass die Einkünfte aus Internetwerbung nun dauerhaft höher als die aus der Printwerbung bleiben. Und dass die neuste Modekrankheit, Internet Addiction Disorder ihren Nährboden nie verliert. Ich frage mich, wann die erste IV an manisch Internetsurfende ausbezahlt wird.

Die ganze Welt ist gelähmt und zugespamt aufgrund von nicht einmal zwei Dutzend Opfern einer Kreuzfahrtskatastrophe. Entschuldigt die vermeintliche Pietätslosigkeit. Aber dieselbe Welt hat darob nicht einmal mehr die Zeit, sich zu überlegen, was eigentlich vor der Küste Neuseelands geschieht. Das Containerschiff ist auseinandergebrochen und die riesigen Mengen Öl verwüsten weiterhin das Meer. Aber das wollen wir gar nicht so richtig wissen. Genauso wenig wie den Hungertod einer weiteren Million Kinder im Januar. Die von ganzen zehn Konzernen wie Monsanto, Cargill, Bunge, Syngenta, Dreyfus und Pioneer verschuldet werden, weil diese die Lebensmittelproduktion der Welt kartellisieren. Doch das reicht nicht für eine Schlagzeile. Warum auch. Die Kohle stimmt ja.

Und sonst? Eine Studie zeigt, dass Hochhausbau direkt proportional zu einer anstehenden Krise verläuft. Das war beim Empire State Building so, das scheint in China so zu sein. Beruhigend, dass beispielsweise in Basel gerade drei Türme in Planung sind. Und um wieder ein bisschen von der Krise abzulenken muss ein Hildebrand über die Klinge springen. Dabei ist viel bemerkenswerter, wie leicht man Währungs- und Aktienkurse beeinflussen kann, als dass jemand damit Geld verdient. Aber eben, das ist alles eine Sache des Blickwinkels. Und um eine andere belanglose Affäre wieder aufleben zu lassen, hat man jetzt auch herausgefunden, dass der Vatikan in gut Guttenbergscher Manier die Biografien seiner Kardinäle von Wikipedia kopiert und veröffentlicht. Wen interessiert denn das bitte. Um es in Hagen Rethers Worten zu sagen: Die kriegen alles raus.

Und ganz nebenbei plant die USA einen neuen Krieg. Und kürzt das Militärbudget, bekräftigt aber im selben Moment, dass ebendieses Budget weiterhin wächst. Zur Folge hat die Kürzung, dass die USA nur noch jeweils einen Krieg führen kann. Und das ist unter Anderem deswegen möglich, weil sich mehr andere Länder an den Kriegen der USA beteiligen. Also retten multinationale Kriege die Kriegskasse der USA. Well played!

Hach ich freu mich auf den Februar. Die Welt ist doch ein wunderbares Schmierentheater.


Saint Steve: der Heiland der digitalen Neuzeit.

October 6, 2011

ER ist von uns gegangen. Und gleich quellen alle Social Media Plattformen über mit Statements von Jüngern. Die Testimonials in der BBC überschlagen sich gegenseitig. Das soll so sein, Steve Jobs ist eine der schillerndsten Figuren unserer Zeit. Ist. Weil eine Figur. Die bleibt.

Irgendwo in google+ wurde S.J. mit Leonardo da Vinci verglichen. Das finde ich dann doch etwas verfehlt. Steve Jobs hat die ganzen Gimmicks nicht erfunden. S.J. war ein Verkäufer. Einer mit dem ganz grossen Charisma und dem Nimbus des unerreichbaren, legendären, dafür hat er zu Lebzeiten auch immer gesorgt. Ein schwarzer Pulli und eine Jeans pro Tag. Immer dieselben. Immer fabrikneu. Weil er gewaschene Kleider nicht anziehen mochte. Sagt man. Und irgendwer wird das Gerücht genährt haben.

Ein paar ganz findige Kultkonzepte hat er sich aus dem Ärmel geschüttelt. Beispielsweise den Midnight Sale. Obschon er den nicht erfunden hat. Das waren angeblich die Damen und Herren von Carlsen anlässlich der Vermarktung von Harry Potter. Also nur geschickt erkannt und wiederverwertet.

Montiert hat er seine Geräte auch nicht. Das machen immer noch die Fronarbeiter von Foxconn, die sich dabei auch gleich reihenweise selbst umbringen, weil sie angeschrien und geschlagen werden. Aber shiny new iPhone hat sich dafür nie interessiert. Und shiny ol’ Steve offensichtlich auch nicht besonders.

Die Apple-Ideologie wurde zur Bibel. Der Mac zur Kirche. Cupertino zum Vatikan. Das iPhone zum sakralen Medium. Und Steve Jobs zu Jesus Christus. Denn wenn er eines geschafft hat, dann war es dies: die Gründung einer fast religiösen Bewegung. Die Erfindung der ideologischen Superdroge: nimmst du es einmal, willst du nie mehr ohne. Als Christus der digitalen Neuzeit wird er in die Geschichte eingehen. Und ob man nun Christus mag oder Apple oder nicht – den Platz hat er verdient. Denn mindestens Eines in seiner Lehre zeugt von der positiven Kraft: Lebe nie das Leben eines anderen. Mach was du willst, mach was du für richtig hältst, und mach es richtig. Nur, dass, wie bei den meisten Religionen, seine Jüngerinnen und Jünger das wieder einmal komplett falsch verstanden haben und sich mit der Individualität eines Massenprodukts identifizierten. Und sich dadurch abhoben, dass sie der Masse folgten. Aber, hey, das muss man bestimmt nicht Steve Jobs vorwerfen. Er hat immer bloss die Möglichkeiten ausgeschöpft.


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