Der Februar. Eine weitere Folge der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

February 25, 2012

Irgendwie scheint mir die Welt immer absurder zu werden. Vielleicht ist das ein Wahrnehmungsproblem. Aber möglicherweise ist sogar was dran. Wir werden sehen. Was war im Februar?

Meine Lieblingsheadline: Fünf Orcas klagen SeaWorld der Sklaverei an. Ob sie die Anklage selbst unterschrieben haben, weiss man nicht so genau. Und ob als Richter ein Pavian eingesetzt wird, darüber schweigt BBC. Aber demnächst wird wohl der Weltverband der roten Thunfische Japan des Genozids beschuldigen. Wenn er Recht bekommt, wird man ihm, einem Volk, das weitgehend in der maritimen Diaspora lebt, einen Heimatstaat zuweisen, vielleicht im Pazifik. Wo die Thunfische sofort beginnen werden, ihrerseits den Genozid an allen Nachbarvölkern anzustreben. Angesichts der geschichtlichen Ereignisse wird man das tolerieren und auch Easyjet wird bald Flüge dahin anbieten. Doch wahrscheinlicher ist, dass sie den Gerichtsfall verlieren, da Japan mit dem übrig gebliebenen Geld aus der weltweiten Fukushima-Spendenaktion die besseren Anwälte bezahlen können wird.

Wenn wir schon beim Thema Sklaverei sind: In Mittelamerika rätselt man über das Nierenversagen von Tausenden von Arbeitern in den Zuckerrohrplantagen, die Tag für Tag ohne Schutzmaske Pestiziden und Herbiziden ausgesetzt sind. Mein Vorschlag: fragt doch mal Monsanto. Die wissen sicher was. Oder vielleicht weiss man bei Nestlé Rat? Deren Ergebnis war besser als erwartet. Dies vor allem durch den Marktzuwachs in Schwellenländern. Der Verkauf von Wasser ist eben einfach krisenresistent.  Darüber könnte man eigentlich vergessen, dass 500 Millionen Kinder auf der Welt unterernährt sind. Oder dass ein neuer Damm in Brasilien ganze Völker ihres Lebensraums und ihrer Existenz berauben wird. Vielleicht kann man sich jetzt schnell hinter die Ohren schreiben, was man diesen Menschen antut, damit man dann später nicht so überrascht sein muss, wenn sich das Blatt gegen einen wendet. Und vielleicht lesen wir dann vielleicht nicht in den Medien, dass beispielsweise in Kolumbien bereits zwei Attacken gegen Polizisten gegeben hat. Zwei. Hat in den ganzen Jahrzehnten des Bürgerkriegs wirklich niemand mitgezählt?

Derweil wundert man sich, dass die libyschen Rebellen eine Gefahr für die Stabilität sind. Na, was dachtet ihr denn? Rebellen bewaffnen, die Regierung stürzen lassen und dann ist alles gut? Das hat ja immer schon hervorragend funktioniert. Eben zum Beispiel in Kolumbien. In Afghanistan. Oder im Irak. Dürfen ganze Staaten eigentlich so dermassen naiv sein?

Weil das aber offenbar doch ein Grund zur Sorge ist, stockt die Schweizer Armee das Budget auf. Ich gehe einmal davon aus, dass das geschieht, um die Staatskasse der USA zu retten, weil auch die Schweiz sich nun an den multinationalen Kriegen beteiligen kann. Und wohl brauchen wir auch deswegen neue Kampfflugzeuge. Obschon angesichts der Sinnlosigkeit dieses Kaufs die Frage aufkommt, ob wir es hier nicht mit einem Wulff im Maurerpelz zu tun haben.

Dafür lässt Apple nun die Fabriken untersuchen, wo ihre Produkte gefertigt werden. Es bestünde Verdacht auf menschenunwürdige Bedingungen. Ich könnte schwören, das wurde bereits untersucht und publiziert. Und zwar im Januar. Soviel zum Thema “Und was unternehmen wir jetzt?”. Während dessen ist publik geworden, dass Social Apps Kontaktdaten speichern: Twitter hat zugegeben, dass das Adressbuch eines Benutzers in einer Datenbank gespeichert wird, wenn er das Feature “Find friends on Twitter” verwendet  und akzeptiert, dass Twitter damit Zugriff auf das Adressbuch hat. Das ist doch mal wirklich eine Überraschung! Social Media Plattformen sind interessiert an Userdaten? Wirklich?? Na, wo kommen wir denn da hin! Demnächst finden die heraus, dass Facebook mit Daten Geld verdienen, indem sie benutzerdefinierte Werbung verkaufen, man stelle sich das vor!

An anderer Front wird’s noch viel gläserner: Die Wissenschaft kann nun Gedanken lesen. Und Ersatzteile für Menschen lassen sich ganz einfach ausdrucken. Solche Geschichten hatten wir doch schon mal. Damals nannte man die aber Science Fiction und keiner wollte so recht daran glauben.

Übrigens ist nun ausserdem klar, dass Botox möglicherweise doch nicht so gut gegen Migräne ist wie man anfänglich angenommen hatte. Diejenigen, denen Botox ursprünglich geholfen hatte, sollten sich vielleicht Gedanken machen, warum ihnen ein paar Fältchen im Gesicht so viel Sorgen machen, dass sie ein psychosomatisches Leiden entwickeln. Einfach mal andersrum ansehen, die Dinge. Kann helfen. Aber Vorsicht: gesunder Menschenverstand ist eine mögliche Nebenwirkung.

Wenn man noch keine Migräne hat, dann sollte man sich mindestens darauf achten, herumzurennen. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Menschen, die langsam gehen, wahrscheinlich im Alter dement werden. Soll man nun im Allgemeinen schneller gehen? Mehr Stress im Alltag! Lieber Burnout als dement, oder? Da muss man doch auf jeden Fall schauen, dass man gut krankenversichert ist. Wenn man damit kein religiöses Problem hat. Denn das ist grad ein brennendes Thema in den USA, wo tausende fanatische Gottgläubige sich nicht mehr versichern lassen können, weil die Krankenkassen nun Verhütung bezahlen. Ja bravo!

Zu guter Letzt gibt es Neuigkeiten aus der deutschen Sprache: Ein Slogan hat sich zum Präzedenzfall entwickelt. Oder zumindest zum Symptom. Ich spreche nicht von Schlecker. Sondern von der Sprachverarmung “So muss Elektronik” von Saturn, die offensichtlich einen sprachlichen Erdrutsch einläutet. Die neuste Ausgeburt televisierter Idiotie: “Ich kann Kanzler“. Und gleich anschliessend im selben Werbeblock: “Wer traut sich jetzt noch Präsident?“. Nun, wenn es mit der deutschen Politik so weit wie mit der deutschen Sprache ist, kann jeder Kanzler, und jeder dürfte sich Präsident trauen. Meine Meinung. Das ist SMS-Generation. Das ist Zeitgeistdeutsch. Bin ich anachronistisch wenn ich mich ob der Verrohung des Weltgeschehens nicht mal mehr an den Kopf fasse?

In diesem Sinne: mich spannt März. Einen schönen Monat wünsche ich!


Was war im Januar? – Eine höchst selektive Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

January 27, 2012

Tja, was war? Sturm Andrea war. Und so schlimm war die gar nicht. Nicht, dass der Name besagen sollte, dass der Sturm besonders schlimm sei. Übrigens heissen die auch gar nicht alle wie Frauen. Tatsächlich liefen verschiedene Frauenverbände 1998 Sturm und erreichten in ihrer Höchstgeschwindigkeit, dass fortan alle Jahre zwischen Männern und Frauen gewechselt wurde. Deswegen gibt’s jetzt auch Lothare. Und Joachims.

Ein Sturm geht auch durch das Internet. Kim Dotcom erhält für’s Onlinestellen von Filmen eine höhere Strafe als Mörder und Vergewaltiger. Die Musik von Michael Jackson gratis zur Verfügung zu stellen ist offensichtlich ein viel schwerwiegenderes Verbrechen als denselben umzubringen. Derweil kommt man gegen Vorweisen eines iPads über die Grenze, während aber beispielsweise der alte Schweizer Pass schon längst nicht mehr genügt. Und der Hersteller dieser neuen Identifizierungsmöglichkeit hat tatsächlich eine Untersuchung durchgeführt, die zum Ergebnis kommt, dass das, was die ganze Welt schon lang wusste, tatsächlich wahr ist: menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in fast allen Betrieben, die Apple beliefern. Konsequenzen? Och, nee, lass mal. Aber ja, wir arbeiten daran. Wir haben’s doch erst grad rausgefunden.

Und derweil zieht uns Google mit neuer Privacy Policy den letzten Rest Selbstbestimmung aus der Tasche. Was allerdings auch Vorteile haben kann: wenn man sich nicht ganz genau aussucht, welche Freunde man auf Google+ hat, wird man demnächst in der Suchmaschine nur noch mit total herzigen Bildern von Katzen und Hunden beliefert. Eigentlich kann man künftig bei Google nur noch anständige Suchresultate erhalten, wenn man eben nicht bei Google+ ist. Way to go. Doch das ist auch nicht alles: Google ist nun nicht mehr nur Informationsverteiler, sondern beginnt sie nun auch selbst zu erschaffen, in der neuen Google Education. Wir werden also demnächst vielleicht von Kind auf getrimmt, dafür zu sorgen, dass die Einkünfte aus Internetwerbung nun dauerhaft höher als die aus der Printwerbung bleiben. Und dass die neuste Modekrankheit, Internet Addiction Disorder ihren Nährboden nie verliert. Ich frage mich, wann die erste IV an manisch Internetsurfende ausbezahlt wird.

Die ganze Welt ist gelähmt und zugespamt aufgrund von nicht einmal zwei Dutzend Opfern einer Kreuzfahrtskatastrophe. Entschuldigt die vermeintliche Pietätslosigkeit. Aber dieselbe Welt hat darob nicht einmal mehr die Zeit, sich zu überlegen, was eigentlich vor der Küste Neuseelands geschieht. Das Containerschiff ist auseinandergebrochen und die riesigen Mengen Öl verwüsten weiterhin das Meer. Aber das wollen wir gar nicht so richtig wissen. Genauso wenig wie den Hungertod einer weiteren Million Kinder im Januar. Die von ganzen zehn Konzernen wie Monsanto, Cargill, Bunge, Syngenta, Dreyfus und Pioneer verschuldet werden, weil diese die Lebensmittelproduktion der Welt kartellisieren. Doch das reicht nicht für eine Schlagzeile. Warum auch. Die Kohle stimmt ja.

Und sonst? Eine Studie zeigt, dass Hochhausbau direkt proportional zu einer anstehenden Krise verläuft. Das war beim Empire State Building so, das scheint in China so zu sein. Beruhigend, dass beispielsweise in Basel gerade drei Türme in Planung sind. Und um wieder ein bisschen von der Krise abzulenken muss ein Hildebrand über die Klinge springen. Dabei ist viel bemerkenswerter, wie leicht man Währungs- und Aktienkurse beeinflussen kann, als dass jemand damit Geld verdient. Aber eben, das ist alles eine Sache des Blickwinkels. Und um eine andere belanglose Affäre wieder aufleben zu lassen, hat man jetzt auch herausgefunden, dass der Vatikan in gut Guttenbergscher Manier die Biografien seiner Kardinäle von Wikipedia kopiert und veröffentlicht. Wen interessiert denn das bitte. Um es in Hagen Rethers Worten zu sagen: Die kriegen alles raus.

Und ganz nebenbei plant die USA einen neuen Krieg. Und kürzt das Militärbudget, bekräftigt aber im selben Moment, dass ebendieses Budget weiterhin wächst. Zur Folge hat die Kürzung, dass die USA nur noch jeweils einen Krieg führen kann. Und das ist unter Anderem deswegen möglich, weil sich mehr andere Länder an den Kriegen der USA beteiligen. Also retten multinationale Kriege die Kriegskasse der USA. Well played!

Hach ich freu mich auf den Februar. Die Welt ist doch ein wunderbares Schmierentheater.


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